Verirrte Schnecke im Blumentopf

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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon KrabbelKram am 03.06.2019, 15:09

Du hast eine tolle Art zu schreiben und es klingt echt viel Fürsorge und Achtsamkeit in Deinen Erzählungen mit - es macht Freude, Deine Beiträge zu lesen! :)
Viele liebe Grüße,

KrabbelKram
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Re zu "Schnecke im Blumentopf" und "Achtsamkeit"

Beitragvon Hummeldrohn am 21.07.2019, 00:01

Na isses denn, schon wieder eine Schnecke im Blumentopf (unverirrt) - Mediterran, aber keine gefleckte Weinbergschnecke wie mein Hubert?. Hätte ich doch schwören können, dass das ein Brüderchen meines Huberts ist. Nach Gehäusemuster und Fuß. Derselbe so hell wie der von Hubert-der-in-den-Topf-fiel. Wollte am Mandarinenbäumchen überwintern und fiel bei einer Gießaktion ab. Wurde entdeckt und gepflegt und im Frühling mit drei anderen erwachsenen Kollegen in einem Standardaquarium über den trockenen Frühling hinaus weiter als Haustier gehalten. Allerdings hatten seine drei neuen Freunde, die sich während der Gartenarbeit allmählich fanden, einen dunklen Ring am Fuß.

Das Quartett freundete sich wohl trotz unterschiedlicher Fußfarben blendend an und vermehrte sich prächtig. Nach drei Paarungen, die ich beobachten konnte, verdunkelte ich, so dass diese kontaktfreudigen Schleimfüßler maximal 12 Stunden Licht bekamen - angeblich ein wirksames Verhütungsmittel, wenn die Lichtdauer unter 15 Stunden liegt. Sie poppten trotzdem ...

Und der Nachwuchs kommt gut eine Woche ohne Nahrung aus. Das einzige, was die kleinen Lümmel zu interessieren scheint, ist: WEG!!! - Sie quetschen sich locker durch die empfohlenen 8-Millimeter-Bohrungen und zwängen sich sogar noch durch welche mit nur 5 mm. Außerhalb des Standard-Aquariums ist ihnen dann allerdings die Luft zu trocken und sie kleben sich an der Unterseite des Deckels fest. Drei Würfe/Gelege habe ich noch separat untergebracht, dann Wurf Vier abends nach kurzem Regenschauer im Garten. Im Schneck-Eck, einem schattigen und regelmäßig feucht gehaltenen Bereich, der locker mit Küchenabfällen angereichert wird. Wie leicht die Häuser der Schlupflinge sind, merkte ich dann einige Tager später beim Unkraut jäten fünf Meter vom Eck entfernt, wo sich mehrere Ameisenvölker aufhalten: Beim heftigen Ausatmen hatte ein unversehrt gebliebenes und leeres Schneckenhaus nur durch die Atemluft vom Boden abgehoben, wurde dann vom Wind erfasst und landete zwei Meter weiter.

Wegen der Zerbrechlichkeit der Häuser sprühe ich ausbrechende Schlüpflinge daher mit Wasser an, um sie von ihrer Unterlage zu lösen und nehme sie dann mit einem feuchten Pinsel auf. Entweder kleben sie direkt am Pinsel fest (Adhäsion) oder sie lassen sich über den Rand des Deckels mit dem Pinsel vorsichtig abfegen. Und da fällt mir wieder die Achtsamkeit ein. Danke für das Kompliment, aber wofür? - Man kann sich noch soviel Mühe geben, es gibt Verluste: Hier klebte noch ein Frischling unbemerkt am Deckel, da fiel einer auf den Boden ... manchmal hört man das leise Knistern, aber ich will gar nicht wissen, wie oft ich den Verlust gar nicht mitbekam ...

Besonders neugierig gemacht hat mich eine Schnecke, die noch kleiner als die Hubert-Babies ist. Sie flüchtete in den letzten Tagen zum zweiten Mal und klebte fast an derselben Stelle, an der ich sie einige Tage vorher schon einmal absammelte: Streichholzkopfgroß und spitzer zulaufend als die rundlichen Huberts. Und wie wohl ein wilder Hubert überlebte, der sich im Garten jugendlich durch Kaninchendraht in einen Abfluss gezwängt haben muss und nur noch Nahrung bekam, die auch da durchpasste?

Kann Achtsamkeit ein Problem sein? - Aus vier Schnecken wurden viel mehr, die in freier Natur sicher nicht (fast) alle überlebt hätten. Und da trotz Lichtverhütung schon wieder mindestens zwei Gelege auf das Ausschlüpfen warten, überlege ich, wie ich diese neue Schneckenschwemme einem Rotkehlchen zuführen könnte. Es hat Kinder zu versorgen und vielleicht seinen Partner verloren. Jedenfalls fand ich ein anderes totes Rotkehlchen im Garten.

Wahrscheinlich grabe ich die Gelege mit einem Löffel aus und platziere sie in der Nähe des Rotkehlchennestes.

Schleimige Grüße vom Hummeldrohn
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Leidenschaft bis zum Tod

Beitragvon Hummeldrohn am 26.07.2019, 23:42

Hab vor einigen Tagen zwei fast gleich große Häuser der gefleckten Weinbergschnecke dicht nebeneinander gefunden. Als ich das eine aufhob, kam das andere mit. Bei näherer Betrachtung waren in den Häusern zwei zusammengeschrumpelte Schneckenleichen, die sich wohl nicht rechtzeitig vor der Sonne voneinander lösen konnten. Ich nahm sie mit, ohne sie zu trennen und weichte sie in Wasser ein. Bei einer anderen Schnirkelschnecke, die vermutlich bis Juli ohne Wasser und Brot, äh Gemüse, irgendwo an der Wand klebte, hatte es funktioniert: Sie hatte sich ganz weit in ihr Haus zurückgezogen und bewohnte vielleicht noch ein knappes Viertel des Gesamtvolumens, aber nach einigen Stunden wurde aus dem vertrockneten, in den Windungen kaum erkennbaren Etwas wieder eine agile Schnecke.

Bei meinem Liebespaar schaffte es leider nur eine nach Wasserzugabe. Nachdem sie sich erholt hatte, schleifte sie ihre tote Liebste noch einige Zeit hinter sich her, bis ich dann behutsam versuchte, die beiden auseinander zu ziehen. Da ich die überlebende aber nicht verletzen wollte, hörte ich auf, als ihr Geschlechtsapparat sich einige Millimeter nach außen stülpte und sie den Kopf von meinem Finger gelöst hatte. Ich entschied mich, die beiden in eine Plastikdose mit etwas Wasser zu setzen, fixierte die tote Schnecke mit einem Faden und verdunkelte.

Am nächsten Tag war meine eingetrocknete Heldin frei, ihre Geschlechtsöffnung zwar noch als heller Kreis rechts vom Kopf sichtbar, aber ohne Rückstände des abgerissenen oder abgenagten Geschlechtsteils ihrer Liebsten. Die hatte eh kaum Wasser aufgenommen und sah aus wie am Vorabend. Allerdings war ihre Geschlechtsöffnung bis auf die vielleicht 10 Millimeter dürr herausragenden Reste kaum sichtbar.

Achtsamkeit wird mir gegenwärtig zu oft gebraucht. Aber danke trotzdem. Ich versuche umsichtig zu sein und wie bei der Teilnahme am Straßenverkehr mit allem zu rechnen: Trecker aus dem Feldweg, Missachtung der Vorfahrt ... - und trotzdem habe ich schon ein paar meiner Lieblinge getötet: Hier klebte einer am Deckel, da fiel ein Baby ungehört auf den Teppich ...

Liebe Grüße vom Hummeldrohn
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Halbwüchsiger Igel im Garten ... Uff!

Beitragvon Hummeldrohn am 04.08.2019, 23:10

Uff, endlich weiss ich, wie ich mit meinen verbliebenen zwei- bis dreihundert gefleckten Weinbergschnecken umgehen werde: Ruhigen Gewissens im Garten aussetzen - und auf den "Pubert-Igel" setzen. Der hat zwar immerhin 600-700 Gramm, aber wenn das dieses Jahr nicht wieder so trocken wäre, hätte er jetzt vielleicht sogar schon ein paar Kinder. Vor drei Wochen habe ich ihn schon einmal gesehen, abends in der Dämmerung - er floh, obwohl ich ihn nur flüsternd begrüßte und ihm etwas über den Garten erzählte. Igelianisch kann ich aber leider noch nicht.

Aber er ist noch immer da! - Heute ging ich erst mal nur so durch den Garten und vermied, ihm wieder unfreiwillig wieder so nah zu kommen wie vor drei Wochen. Ich setzte mich also weitab entfernt und lauschte den Grillen, den Fernsehprogrammen und dem Schmatzen des halbwüchsigen Igels. Schon komisch, wenn da mehrere Leute dasselbe Programm sehen, aber durch Distanz und verschiedene Übertragungswege Echo-Effekte entstehen.

Sorry, hier geht es ja eigentlich um Schnecken. Mein Hubert sollte eigentlich nur überwintert werden und bekam im Frühjahr nach und nach drei Kollegen, weil es meiner Meinung nach zu trocken zum Aussetzen war und ich außerdem eine stabile Population der gefleckten Weinbergschnecke im Garten wollte - möglichst neben den anderen Schnirkel-, Egel- und sonstigen heimischen Schnecken. Heute habe ich sogar noch eine kleine schwarze Gartennacktschnecke gefunden. Und zwei orange große klebten vorgestern am Boden unter dem Garagentor. Die winzigen Achatschneckchen konnte ich noch nicht näher bestimmen - genauso wenig wie die mit den flachen Gehäusen.

Jedenfalls entwickelten sich Hubert & Co. prächtig im Aquarium und nach den ersten drei Gelegen verdunkelte ich auf 11 bis 12 Stunden, weil die Lümmel ja angeblich 15 Stunden Licht zum poppen brauchen. Aber die poppten trotzdem noch: zweimal hab ich sie erwischt - und wer weiss wie oft ich es vor und nach der Verdunkelung gar nicht bemerkte ... Die ersten drei Würfe à 50 Schllüpflinge (?) wurden von mir noch separat gehalten, Danach spülte ich die Babies, die sich vorzugsweise am Deckel in der Nähe der Luftlöcher ankleben, vorsichtig ins Schneck-Eck unseres Gartens. Das Schneck-Eck besteht aus einem 80-Liter-Blumentopf mit einem Weihnachtsbaum und diversen Kräutern (Brennnesseln, Kletten, Melde, Löwenzahn) und Küchenabfällen und wird regelmäßig gewässert.

Wahrscheinlich ist die Population meiner gefleckten Weinbergschnecken im Garten aber eh stabil, denn ich konnte vorgestern beobachten, wie ein grauer wilder Hubert mit ausgestülptem Genital einen eher hellbräunlichen verfolgte ...

Aber wäre das nicht ein Konzept für Gemüse, Igel und häuslichen Schneckenspaß: Alle erwachsenen und halbwüchsigen Schnecken im Garten aussetzen, den letzten Wurf Babies überwintern und auf Igel, Frosch, Molch & Ameise vertrauen? - Einmal pro Woche kann ich dem Igel ja auch 'ne kleine Dose Katzenfutter hinstellen, damit er sicher über den Winter kommt. Und natürlich noch eine Igelburg bauen!!!

Liebe Grüße vom Hummeldrohn
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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon Bolt am 05.08.2019, 11:35

Dein Garten klingt toll :)
Und Igelhäuser plus zusätzlich Futter sind auch eine tolle Idee. Man liest leider immer häufiger dass Igel verhungern, habe auch erst vor kurzem meinen 5. Hilfebedürftigen Igel gefunden.
Und mit deiner Cornu Population hilfst du sicher mit dass die Igel was zum snacken haben :D
Viele Grüße, Lisa
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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon Hummeldrohn am 12.08.2019, 23:24

Hallo Bolt, danke für ein wenig Feedback in diesem verrückten Forum, wo angeditschte Schnecken mit Klebstoffen behandelt werden. Aber ich bin ja genauso: halte jetzt eine leicht eingedöllte Garten-Schnirkelschnecke separat. Muss wohl in der Garageneinfahrt aufgeschlagen sein ... jedenfalls klebte sie am Garagentor, als ich gerade einkaufen wollte. Den Fuß hatte sie schon vom Untergrund abgelöst, war aber noch nicht auf ein Viertel zusammengeschrumpelt wie das Liebespaar, über das ich vor etwa vier Wochen schrieb. Sie sieht allerdings schon aus, als könne sie noch zulegen, um ihr Tiny-Häuschen auch komplett auszufüllen.

Igel ... Ich habe Gehäusesplitter beim Knoblauch gefunden, wo sich der Pubert-Igel scheinbar gern von Plagegeistern befreit - jedenfalls verweilt er dort gern und kratzt sich ausgiebig. Ein Fragment hatte einen ziemlich großen Durchmesser mit nach außen gewölbtem Rand; muss also ein erwachsenes Schneckchen gewesen sein. Die Opfer aus der Drosselschmiede finden sich dagegen nur auf oder nah bei steinigem Untergrund und weisen ein bis zwei Löcher im Haus auf.

Igel zerlegen ihre Beute in -zig mehr oder weniger große Gehäusesplitter.

Ameisen lassen das Haus ganz, bevorzugen aber nur Schneckenbabies. Ich konnte einmal beobachten, wie so ein leeres Baby-Schneckenhaus beim Unkrautjäten vom Wind erfasst wurde und erst etwa einen halben Meter entfernt wieder landete. NOCH zerbrechlicher als Bienenköniginnen, die man ja immerhin zum markieren mit den Fingern greifen kann! - Gehäuseschnecken-Babies lasse ich meistens sitzen, wo sie kleben und sprühe sie nur abends etwas mit Wasser an, damit sie nicht eintrocknen oder verhungern. Wenn denn doch einmal eine bewegt werden muss, weil die Reinigung des Aquariums es erfordert oder es welche geschafft haben, durch die Lüftungslöcher abzuhauen, dann sprühe ich sie mit Wasser an, lasse es den kleinen Schleimring auflösen, mit dem sie sich angeklebt haben und sammle sie mit einem feuchten Pinsel ab. Adhäsionskräfte ... - Wenn sich mehrere an einer Stelle zusammengerottet haben, fege ich sie vorsichtig - nach 'ner Minute Wasser-Einwirkzeit - in die hohle (und möglichst auch mit Sprühstoß) angefeuchtete Hand, um sie dann ins neue Habitat (Lebensraum) zu werfen. Dabei ist Schnelligkeit angesagt, denn die Biester kleben gern auf sicherem Grund. Mit angefeuchteter Hand kann man sie dann aber meist relativ leicht nach einem weiteren Sprühstoß mit Wasser mit dem angefeuchteten Pinsel wieder von der Hand abfegen.

Oder man versucht, sie mit Salatblättern zu locken. Manchmal rennen sie geradezu auf ihr Lieblingsfresschen, manchmal kleben sie allerdings auch NOCH fester und mampfen ... mampfen ... (aufmerksame Zuhörer mit nahem Ohr an Schnecke hören es knartsen...) - Wenn sie zur Hälfte auf ihr Lieblingsblatt gelaufen sind, kann man den Rest ihres Fußes von der Unterlage ablösen, indem man dieses Lieblingsblatt behutsam abhebt und langsam in Richtung Fußende bewegt. Aber nur, wenn Schneckchen sicheren Halt verspürt. Sonst klammert es ... Und manches Schneckchen steht eher auf Radieschen-Blatt.

Bevor sie sich paaren, ist es wie ein Fühler-Balett: "Ist es für Dich ok, wenn ich Dich hier mal stubse?" - "Stubst Du mich zurück oder ziehst Du Dich ein?" - "Darf ich Dich noch an der Lippe stubsen?" - "Ok, ok, ich warte kurz. Aber zieh Dich bitte nicht ein. *Stubs* - Bist Du etwa eingeschlafen? - *Stubs*" - "Hör auf, ich hatte gestern nur Brennnesseln, etwas mehr Gefühl bitte - puh, was hast Du denn gestern gegessen???"

... Oder so ähnlich. Jedenfalls sind die größeren Schneckchen wohl ziemlich sensibel in der Kopfregion, was man zum Umsiedeln nutzen kann, wenn sie irgendwo am Rand kleben. Meistens sind alle Fühler eingestülpt, manchmal gucken die beiden großen etwas heraus und vielleicht kauen sie gerade ihren letzten Kot noch einmal durch. Ansprühen, mit dem ebenfalls mit Wasser angesprühten Finger die Kopf-Region vorsichtig anstubsen - manchmal wacht das Schnecklein auf, hebt den Kopf vom Untergrund ab und sucht mit allen vier ausgestülpten Augen (oder nur mit zweien), wer denn da angeklopft hat. Im besten Fall klebt Kopf an Finger, Fuß folgt nach - und der Lümmel kann überzeugt werden, dass es woanders auch ganz gemütlich sein kann.

LG vom Hummeldrohn
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