Vererbungslehre

Hier geht es um wissenschaftliche Aspekte des Schneckenlebens.

Vererbungslehre

Beitragvon rabbit am 11.02.2012, 17:22

hallo

Da es in einem anderen Tread eine Diskusion zu der Vererbungslehre gegeben hat und es mich persönlich auch interesiert, werde ich hier mal etwas zu der Vererbungslehre schreiben.
In diesem Tread werde ich die Art Achatina fulica behandeln, da diese sehr variabel ist und es alle Formen des Albinismus gibt.

Weil sie eben sehr variabel sind, gibt es natürlich verschiedene Kreuzungen.

Als erstes mache ich mal eine Begriffserklärung:
Nominat: Achatina fulica var. fulica
Rodatzi: Achatina fulica var. hamilei f. rodatzi
WJ: Achatina fulica "White Jade"
VA: Achatina fulica "Vollalbino"

Die Gencodes:
Bei einem Vollständigen code werden vier Buchstabengruppen zusammengefügt.

NH: Nominatfarbenes Haus; dominant ausgeprägt
AH: Albonistisches Haus; dominant ausgeprägt
NF: Nominatfarbener Fuss; dominant ausgeprägt
AF: Albonistischer Fuss; dominant ausgeprägt

nh: Nominatfarbenes Haus; rezzesiv ausgeprägt
ah: Albonistisches Haus; rezzesiv ausgeprägt
nf: Nominatfrabener Fuss; rezzesiv ausgeprägt
af: Albonistischer Fuss; rezzesiv ausgeprägt

Bei der Vermehrung ist es ausserdem so, dass Nominate Farben immer dominant vererbt werden.

Um dieses Sytem vielleicht etwas besser verstehen zu können, einige Beispiele.
Nominat: NHNHNFNF
Rodatzi: AHAHNFNF
WJ: NHNHAFAF
VA: AHAHAFAF
Nominat Spalterbig sehen dann anders aus.
Nominat Spalterbig auf Rodatzi: NHahNFNF
Nominat Spalterbig auf WJ: NHNHNFaf
Bei Spalterbigen gibt es natürlich noch andere Variationen, aber als Beispiel sollte dies genügen.

Die Kreuzung Rodatzi x WJ

F1 Generation:
Alle NHahNFaf; Nominat Spalterbig auf Rodatzi und WJ

F2 Generatoin:
Ab hier wirds komplizierter.

Die verschiedenen Variationen.
1/16 NHNHNFNF; Nominat
1/16 NHNHAFAF; WJ
1/16 AHAHNFNF; Rodatzi
1/16 AHAHAFAF; VA
2/16 NHahNFNF; Nominat Spalterbig auf Rodatzi
2/16 NHNHNFaf; Nominat Spalterbig auf WJ
2/16 NHahAFnf; WJ Spalterbig auf Rodatzi und WJ
2/16 AHnhNFaf; Rodatzi Spalterbig auf WJ
4/16 NHahNFaf; Nominat Spalterbig auf Rodatzi und WJ

Die Kreuzung WJ x VA

F1 Generation:
Alle NHahAFnf; WJ Spalterbig auf Rodatzi

F2 Generation:
Ab hier wirds koplizierter.

Die verschiedenen Variatonen.
1/4 NHNHAFAF; WJ
2/4 NHahAFnf; WJ Spalterbig auf Rodatzi
1/4 AHAHAFAF; VA

Die Kreuzung Rodatzi x VA

F1 Generation:
Alle AHnhNFaf; Rodatzi Spalterbig auf WJ

F2 Generation:
Ab hier wirds koplizierter.

Die verschiedenen Variationen.
1/4 AHAHNFNF; Rodatzi
2/4 AHnhNFaf; Rodatzi Spalterbig auf WJ
1/4 AHAHAFAF; VA

Das sind alles Kreuzungen mit Reinerbigen Tieren.
Das Ganze kann man nun auch mit Spalterbigen fortführen, aber ich denke das sprengt hier den Rahmen.
Genauso wenn man hier auch noch weiter Generationen hinzufügen würde.

Ich hoffe ich konnte euch etwas von der Vererbungslehre bei Achatina fulica weitergeben.
Bei anderen Schneckenarten ist das natürlich das gleiche System, nur das die Albinistischen Tiere anders genannt werden.

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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Birte am 11.02.2012, 20:16

rabbit hat geschrieben:AH: Albonistisches Haus; dominant ausgeprägt

Ein Albino-Gen ist immer rezessiv, es kann nicht dominant ausgeprägt sein. Wenn zwei rezessive Allele zusammenkommen, dann prägt sich das Merkmal aus, es ist aber immernoch rezessiv ;) Nach der Schreibweise, die du hier anwendest, würde ah also immer klein geschrieben werden, weil es rezessiv ist. Nur Merkmalsausprägungen die eben wirklich dominant vererbt werden, schreibt man groß, also NH.
Im Allgemeinen verwendet man aber für unterschiedliche Ausprägung des gleichen Gens auch die gleichen Buchstaben, ich glaube, darum bist du weiter unten auch durcheinander gekommen. Hausfarbe würde man z.B. mit HF kodieren, wenn es dominant ist, also nominatfarben und hf, wenn es albino ist, also rezessiv.
nh: Nominatfarbenes Haus; rezzesiv ausgeprägt
Bei der Vermehrung ist es ausserdem so, dass Nominate Farben immer dominant vererbt werden.

Ebenso, kann das nominatfarbene Haus nicht rezessiv ausgeprägt sein, wie du selbst schreibst, ist es immer dominant ;)
Du meinst insgesamt das richtige, benutzt nur die falschen Begriffe dafür, das kann aber verwirren.

Soweit ich weiß, ist es aber tatsächlich gar nicht ganz sicher, dass das gelbe rodatzi-Haus rezessiv vererbt wird. Ich habe hier im Forum schon von Fällen gelesen, bei denen aus einer Verpaarung von zwei Rodatzi auch Schnecken mit dunklen Häusern heraus kamen. Es ist also anzunehmen, dass der Erbgang da noch VIEL komplizierter ist und die Farbe nicht nur an einem einzigen Gen liegt, wie du es hier dargestellt hast.

Rodatzi: AHAHNFNF
Wie oben schon erwähnt, wäre hier dann eben die korrekte Schreibweise: ahahNFNF, wenn man einfach mal davon ausgeht, dass die Farbe des Hauses nur an einem Gen liegt.

Die Kreuzung WJ x VA

F1 Generation:
Alle NHahAFnf; WJ Spalterbig auf Rodatzi

Wenn du WJ und Vollalbino kreuzt, können keine rodatzi mehr rauskommen, denn es gibt keine Allele mehr, die den dunklen Körper kodieren. Eben da der helle Fuß rezessiv ist, haben ja beide zwei mal das albino-Gen, also afaf. Wo kein Allel für dunkle Füße mehr vorhanden ist, kann auch in der nächsten Generation keines mehr austauchen, eben weil es rezessiv ist.

Die Kreuzung Rodatzi x VA

F1 Generation:
Alle AHnhNFaf; Rodatzi Spalterbig auf WJ
Hier das gleiche, wie oben, wo kein dunkles Haus mehr ist, kann auch keines mehr auftauchen (angenommen die Farbe wäre wirklich nur von einem Gen abhängig. Spalterbig kann man immer nur auf eine rezessive Eigenschaft sein. Niemals auf eine dominante, denn wenn sie dominant ist, dann sieht man sie ja auch immer ;)
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Re: Vererbungslehre

Beitragvon rabbit am 11.02.2012, 20:39

Dann habe ich da den falschen Begriff gewählt. Ich meinte damit, dass es bei der bestimmten Schnecke erscheint. Da habe ich mich mit dominant wohl vergriffen. Ein paasenderer Begriff währe wohl dominant/rezzesiv ausgebildet.

Meinst du ich muss die gesamte Liste nochmlas übergehen, weil ich mich vergriffen habe?

Wenn geschrieben wird, aus einer Verpaarung von Rodatzi gäbe es auch wildfarbene Exemplare kann es doch sein, dass die Schnecken Spalterbig sind. Das ist von Auge nicht feststellbar.

Ich habe dies auch nur aus Quellen im Internet, da sthet nunmal nicht nur richtiges. Demnach sollte ich wohl die letzten beiden Punkte löschen.?

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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Frosty am 11.02.2012, 20:46

Wenn ein rezessives Merkmal sichtbar wird, sagt man normalerweise einfach: es wird phänotypisch ausgeprägt. Es heißt eigentlich auch nicht spalterbig, sondern mischerbig oder eben heterozygot. ;-)
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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Fusselnase am 11.02.2012, 20:54

Stimmt, der Begriff spalterbig ist sehr veraltet, wird aber in der Terraristik trotzdem häufig benutzt. Ich denke, solange er verständlich ist, ist es ok, ihn weiter zu benutzen.

rabbit hat geschrieben:Wenn geschrieben wird, aus einer Verpaarung von Rodatzi gäbe es auch wildfarbene Exemplare kann es doch sein, dass die Schnecken Spalterbig sind. Das ist von Auge nicht feststellbar.

Nein, spalterbig im Häuschen sind diese Tiere wahrscheinlich nicht. Auch bei ihnen müssen beide Erbanlagen (die von der Mutter und die vom Vater) für ein gelbes Haus stehen. Sobald eine davon die Information für ein wildfarbenes Haus enthält, ist die Schnecke im Phänotyp (= Aussehen) wildfarben und im Genotyp (in ihren Erbanlagen) spalterbig auf gelbes/wildfarbenes Haus.

Dass Rodatzi+Rodatzi manchmal wildfarbene Häuschen ergibt, liegt vielleicht daran, dass es unter den Rodatzi verschiedene Mutationen gibt, die unabhängig voneinander für ein Problem bei der Pigmentausbildung sorgen. Z.B. so:
Rodatzi1 hat ein Problem damit, Pigmente zusammenzusetzen, sie hat in sich nur die Rohstoffe, die aber nicht zusammengesetzt werden können, weshalb das Häuschen gelb erscheint.
Rodatzi2 hat ein Problem damit, Pigmente einzulagern, sie bildet zwar welche, kann sie aber nicht im Häuschen einbauen, weshalb dieses gelb erscheint.
Rodatzi1+Rodatzi2 ergibt nun wildfarbene Kinder, die alle mischerbig auf a)Pigmentzusammenbau funktioniert nicht/funktioniert und b)Pigmenteinlagerung funktioniert/funktioniert nicht sind. Alle Kinder in der ersten Generation sehen wildfarben aus, weil zu jedem "kaputten" Merkmal des einen Elternteils das "normale" Merkmal vom jeweils anderen Elternteil kommt, was das "kaputte" Merkmal dominiert, also überlagert.

Rein hypothetisch zumindest ;)
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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Frosty am 11.02.2012, 21:06

Vielleicht sind auch einfach mehrere Gene für den Albinismus verantwortlich, wie zum Beispiel bei der Augenfarbe des Menschen. Ich persönlich finde eher den Begriff spalterbig verwirrend und stutze jedes mal wenn ich das lese. ^^
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Re: Vererbungslehre

Beitragvon rabbit am 11.02.2012, 21:17

Hoppla ich bin wohl nicht die richtige Person für so einen Tread.
Dazu weiss ich anscheinend definitiv zuwenig.

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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Fabian.E am 14.02.2012, 18:15

Kann man eigentlich, ohne denn Stammbaum einer Schnecke zu kennen, erkennen, ob eine Schnecke reinerbig oder spalterbig ist?
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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Fusselnase am 14.02.2012, 18:17

Wildfarbenen Fulica kannst du es nicht ansehen, ob sie die Anlage für "Albinismus" in sich tragen. Die Wildfarbe, gleich ob in Häuschen oder Fuß, versteckt eventuelle Anlagen für "Albinismus" vollständig.

Albinotische Fulica sind dagegen immer reinerbig auf ihre Form von Albinismus. Sie können die Wildfarbe nicht versteckt in sich tragen.
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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Fabian.E am 14.02.2012, 18:47

Danke für die Antwort. :danke:
Dann kommen bei WJ und VA, egal wie sie sich paaren, nur WJ und VA heraus.
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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Fusselnase am 14.02.2012, 19:11

Jepp, nix mit dunklen Füßen :D
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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Drachin am 15.02.2012, 09:47

Ihr könnt Gedanken lesen!

Ich wollte hier nämlich gerade fragen, was dann wohl herauskommen mag, wenn sich White Jade und Vollalbino paaren, denn ich habe von jeder Fabform eine. Aber müssten dann nicht eigentlich nur White Jades dabei rauskommen? Denn die Veranlagung für das Rodatzi-Haus ist doch nur bei einem Elternteil vorhanden. Wären die Nachkommen dann nicht quasi White Jades mit Spalterbigkeit auf Rodatzi-Häuschen?

Oh Mann, und ich dachte, ich kenn mich halbwegs aus mit Vererbungslehre und dominant-rezessiven Erbgängen. Alles mal in der Schule gehabt, aber schon so lange her...
Nicht meine Schuld, kann nichts dafür,
Ich bin doch nur ein wildes Tier...!
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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Fabian.E am 15.02.2012, 09:51

Aber es fehlt doch, falls sie reinerbig sind, das Gen für einen dunklen Fuß. Ich weiß nicht, wo das herkommen sollte.
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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Fusselnase am 15.02.2012, 11:13

Wenn deine White Jade reinerbig auf WJ ist, dann können in der ersten Generation nur White Jade entstehen, die aber allesamt mischerbig auf ein gelbes Haus sind (das Rodatzi-Haus, wenn du so willst, allerdings wäre diese Bezeichnung etwas unglücklich, da manche dann automatisch an eine gelbe Schnecke mit dunklem Fuß denken ;) ).

Wenn deine WJ selbst mischerbig auf dunkles Haus/helles Haus ist, dann werden die Nachkommen mit deiner VA rein theoretisch zur Hälfte VA und zur Hälfte mischerbige WJ sein.

Zwei mischerbige WJ (noch einmal zur Verdeutlichung: WJ können ausschließlich im Merkmal Haus mischerbig sein, sie können niemals dunkle Füße vererben) zeugen rein theoretisch 25% VA, 25% reinerbige WJ (denen man nicht ansehen kann, dass sie reinerbig sind) und 50% mischerbige WJ. Lässt man das ganze Gelege schlüpfen, hat man also 1/4 VA und 3/4 WJ. In der Praxis ist die Verteilung meistens nicht so genau, da auch noch andere Faktoren mitspielen.
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Re: Vererbungslehre

Beitragvon Drachin am 15.02.2012, 12:08

Ja, so langsam kommts wieder.
Klar, an die Geschichte mit dem "mischerbigen Haus" hab ich nicht gedacht. Nein, mit Rodatzi-Haus meinte ich tatsächlich das gelbe Häuschen.

Aber danke, dann waren meine Gedanken dazu bis auf die Möglichkeit der Mischerbigkeit beim Häuschen soweit richtig. Ich denke, ich werd mir mal (nur so für mich) ein Diagramm erstellen, wo man sieht, wie das ist mit der dominant-rezessiven Vererbung. Wobei das ja mit dem Häuschen noch etwas komplizierter sein soll, weil die Farbe von mehreren Genen abhängt.

Naja, wie dem auch sei, danke dafür erstmal.
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