Klein. kleiner, am kleinsten . . .

Hier geht es um wissenschaftliche Aspekte des Schneckenlebens.

Klein. kleiner, am kleinsten . . .

Beitragvon Ryk am 03.04.2016, 12:29

Hallo zusammen !

"Eine Forschergruppe aus Japan, Ungarn und der Schweiz hat in der Quangxi-Provinz in Südchina sieben neue Landschnecken-Arten entdeckt - darunter auch die kleinste Landschnecke der Welt. Zehn Exemplare dieser Art würden durch ein Nadelöhr passen" schrieb das Naturhistorische Museum in Bern in der Ausgabe vom 23. Oktober 2015 seiner regelmässig erscheinenden Instituts-Miteilungen. Dabei wurde auf die Arbeit der Institutsmitarbeiterin, Dr. Adrienne Jochum, hingewiesen, die auf ihrer Forschungsreise anno 2014 diese neuen Schneckenarten gefunden und gemeinsam mit ihren drei Kollegen in der Fachzeitschrift ZooKeys 523 (p. 31-62, 15. Aug. 2015) darüber berichtet hat.

Gemeint war dabei vor allem neben den anderen "Mikro-Schneckenarten", die Dr. Jochum von ihrer Forschungsreise zurückgebracht hat, insbesondere die neue und kleinste Art Angustopila dominikae, deren kugeliges Gehäuse gerade mal 0,86 mm hoch und 0,80 mm breit ist.

Der Stolz über die kleinste Landschneckenart gefunden zu haben dauerte jedoch nicht lange, denn bereits am 2. November 2015 beschrieben Jaap J. Vermeulen et al. in ZooKeys 531 (1-139, 2. Nov. 2015) vom Fund einer noch kleineren Landschneckenart mit dem wissenschaftlichen Namen Acmella nana, deren Gehäuse nur 0,60 bis 079 mm hoch und 0,50 bis 0,60 mm breit ist. Von dieser Art sind allerdings nur Leergehäuse gefunden worden. Vermeulen et al. fanden diese Gehäuse in einer mit Erde gefüllten Spalte nahe den Niah-Höhlen in Sawarak (Malaysia).

Um jetzt noch eins drauf zu setzen, so heisst die derzeit tatsächlich kleinste bekannte Schneckenart Ammonicera minortalis Rolan, die dieser 1992 entdeckt und beschrieben hatte. Jedoch handelt es sich bei dieser Spezies nicht um eine Landschnecke, sondern um eine Meeresschnecke, deren Gehäuse lediglich 0,32 bis 0.46 mm misst. Diese Art wurde in flachen Gewässern um Kuba, den Florida-Keys und auf der Halbinsel Yukatans entdeckt.

Es ist klar, dass sich die User in unserem Forum naturgemäss mit wesentlich grösseren Schneckenarten beschäftigen. Dass sich die wissenschaftliche Forschung seit geraumer Zeit jedoch immer mehr mit diesen "Mikro-Schnecken" beschäftigt, für deren Bearbeitung mindestens ein Binokular, meist jedoch ein Mikroskop sowie sehr viel Fingerspitzengefühl erforderlich sind, hat verschiedene Gründe, auf die ich in einem späteren Beitrag etwas näher eingehen werde.

carpe diem

Ryk
Benutzeravatar
Ryk
 
Beiträge: 57
Registriert: 09.12.2008, 13:53
Wohnort: Zürich

Zurück zu Schnecken in Forschung und Wissenschaft

Wer ist online?

Mitglieder: Bing [Bot], Google [Bot]