Felsenschnecke?

Alles rund um unsere einheimischen und benachbarten Schneckenarten.

Felsenschnecke?

Beitragvon Diana am 20.05.2019, 19:05

Diese Schnecke habe ich heute entdeckt:
An einer Mauer aus großen Kalkquadern, keine Büsche, Bäume oder ähnliches drumrum. Keine Laubschüttung oder Krautzone. Die Schnecken krochen über den Gehweg, um den Grasstreifen auf der anderen Seite zu erreichen. Ich nehme mal an, nur um zu Fressen. Die meisten Schnecken befanden sich auf/an den Steinquadern. Der Boden ringsum ist kiesig, lehmig und dem Grasbewuchs nach hauptsächlich trocken.

Ich hab mein Buch (Die Landschnecken Deutschlands) zu Rate gezogen und bin zu dem Schluß gekommen, daß es sich um eine Felsenschnecke handelt. Den Abbildungen im Buch nach würde ich sagen es ist die große Felsenschnecke. Die Schnecken sind auffällig hell. Auf meinen Fotos kommen die Schnecken wesentlich dunkler raus. Allerdings ist der Nabel bei den Schnecken nicht exzentrisch, wie es für die große Felsenschnecke beschrieben ist.
Alles in allem: Könnte das die flache Felsenschnecke (Faustica illyrica) sein? Merke gerade, daß die Draufsicht fehlt- die kommt gleich noch nach.
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Re: Felsenschnecke?

Beitragvon Diana am 20.05.2019, 19:10

So, hier kommt noch die Draufsicht:



Ich fahre jeden Tag zweimal mit dem Rad an dieser Stelle vorbei und das seit über zwei Jahren. Diese Schnecke ist mir noch nie aufgefallen und sie lebt nicht gerade versteckt.
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Re: Felsenschnecke?

Beitragvon Skilltronic am 22.05.2019, 15:29

Diana hat geschrieben:Diese Schnecke habe ich heute entdeckt:
An einer Mauer aus großen Kalkquadern, keine Büsche, Bäume oder ähnliches drumrum.


Hey Diana,

da denkt man fast automatisch an Chilostoma. Da gibt es so viele Arten und Unterarten, dass eine Unterscheidung schwerfällt.
Vielleicht hilft dir auch das Betrachten der Verbreitungsgebiete ein wenig weiter.

Grüße
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Re: Felsenschnecke?

Beitragvon wolf am 22.05.2019, 18:24

Hi,
das Tierchen wirkt auf mich juvenil. Die Gehäusebreite müsste geschätzt bei etwa 20 mm liegen. Kann das in etwa stimmen? Beide hier wohl in Frage kommenden Arten erreichen bis zu 27 mm Breite, da geht also wohl noch etwas......... . Ich kann es zwar auf den Fotos nicht gut erkennen, aber der Mundsaum scheint auch noch nicht nach außen umgebogen zu sein.
Mit dem hellen Häuschen und dem dünnen Spiralband - oben und unten offenbar hell eingefasst - neigt mein Bauchgefühl eher zu Chilostoma cingulatum, Nabel hin oder her (das Tier ist ja auch noch nicht adult).
Beide Arten sind Neozoen und wurden verschiedentlich in Deutschland eingeschleppt/ausgesetzt.
Habe gerade noch einmal nachgeschaut: aktuell ist Chilostoma cingulatum für Baden-Württemberg nachgewiesen (punktuell), Faustina illyrica nach meiner Kenntnis nicht.
So weit erst mal: der wolf
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Re: Felsenschnecke?

Beitragvon Kirsten am 24.05.2019, 00:06

Moin zusammen,

auch ich halte die für juv. Chilostoma cingulatum. In Hamburg, also viel weiter nördlich, hatte ich ja auch eine kleine, aber offensichtlich schon länger bestehende Population gefunden. Das war dann ein Erstnachweis für Hamburg.

Dazu gibt es eine Abhandlung http://www.dmg.mollusca.de/images/mitte ... ostoma.pdf Ist in diesem Zusammenhang vielleicht ganz interessant.

2 juvenile Tiere hatte ich mitgenommen. Damals wohl ungefähr in dem Alter der hier gezeigten Schnecke. Ich zeige noch mal ein Vergleichsfoto. Die lieben übrigens das Schlammbad ganz besonders.
Liebe Grüße

Kirsten

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Re: Felsenschnecke?

Beitragvon Diana am 03.06.2019, 00:11

Hallo alle zusammen,

ganz lieben Dank für eure Hilfe. Leider war es zwischenzeitlich bei mir so stressig, daß es mir nicht gereicht hat mich um den Threat zu kümmern- entschuldigt bitte. Mußte zusehen, daß ich überhaupt noch etwas Schlaf abbekam. Jetzt ist wieder etwas mehr Luft
Die Felsenschnecken habe ich an der alten Stelle nur noch einmal wieder gefunden. Mit dabei waren etwas größere Schnecken und auch solche mit einem leichten Braunstich im Häuschen. Leider war die Kamera nicht dabei.

an Wolf
Die Gehäusebreite müsste geschätzt bei etwa 20 mm liegen.

Ja das stimmt so in etwa und der Mündungsrand war tatsächlich noch nicht nach außen umgekrempelt. Wenn die Mündung aber so (wie soll ich das nennen?) nach unten gerichtet ist, ist es dann nicht ein adultes Tier?

an Kirsten
wirklich interessanter Artikel, hab ihn mir gleich gespeichert. Wer kommt bloß auf die Idee Schnecken absichtlich in fremdem Terrain ansiedeln zu wollen?
Ich war wirklich in Versuchung zwei der Schnecken mit zu nehmen. Sie sind zu hübsch. Aber die Umgebung ließ mich vermuten, daß es nicht so ganz einfach wäre diesen Schnecken die richtigen Haltungsbedingungen zu schaffen, deshalb hab ich es gelassen. Bin zudem zeitlich an der Grenze dessen, was ich noch gut versorgen kann.


Gehe nun also bis auf weiteres davon aus, daß es sich um Chilostoma cingulatum handelt. Auch die Beschreibung des Habitats passt. Kalksteinblöcke mit tiefen Spalten. An der Stelle fahre ich jetzt immer besonders aufmerksam vorbei. Vielleicht zeigen sie sich noch mal und ich finde noch größere / adulte Schnecken. Werde dann wieder berichten.

Jedenfalls noch mal ein ganz herzliches :danke:
allen die sich hier so viel Mühe gegeben haben.

einen lieben Gruß
Diana
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Re: Felsenschnecke?

Beitragvon Kirsten am 03.06.2019, 01:19

Moin Diana,

für mein Gefühl ist da wohl in den aller meisten Fällen von Absicht nicht die Rede. Es gibt so viele Wege versehentlich Schnecken zu verbreiten. Bei den Chilostoma vermutet man ja Steinmetzbetriebe, weil die Art an Steinen lebt. In den häufigsten Fällen werden es Pflanzen, Blumenerde etc. sein. Ich hatte mal eine Cornu an einem italienischen Steinguttopf im Baumarkt gefunden. Aber man braucht ja nur die Schuhe nach dem Urlaub im Garten auszuklopfen, die Luftmatratzen und so weiter, 1000 Möglichkeiten. Aber auch Schneckenhalter entsorgen nicht immer ordentlich. Wer weiß, was die Nachfahren meines Gartens mal finden und sich wundern.

Ich bin übrigens erstaunt, wie gut sich meine mit ein wenig Mühe halten. Leider konnte ich noch keine Zuneigung der beiden Tiere zueinander beobachten, aber vielleicht kommt das noch. Ich habe Erde, reichlich Steine, Laub und Moos im Becken. Meist liegen sie in ein altes Blatt eingewickelt herum. Daran fressen sie auch. Ebenso biete ich Flechten, Algen, Süßkartoffel und Gurke an. Sie lieben das Kalk/Heilerde - Schlammbad und nutzen es regelmäßig. Leider fallen sie leicht vom Deckel ab, also keine harten Gegenstände ins Becken oder einfach die Deckenhöhe begrenzen. Sie sind ohnehin etwas faul.

Generell sehe ich das mit den Einwanderern etwas entspannter als die Meisten. Flora und Fauna haben sich von Beginn der Evolution immer wieder verschoben, es wurde immer gewandert, freiwillig oder gezwungener Maßen.
Liebe Grüße

Kirsten

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Re: Felsenschnecke?

Beitragvon Diana am 23.06.2019, 01:44

Hallo Kirsten,

auf einen Steinmetzbetrieb wäre ich nie im Leben gekommen. Aber klar,so könnte in diesem Fall wohl tatsächlich die Population entstanden sein. Die Quader der Mauer wurden vor nicht allzu langer Zeit angekarrt und zur Mauer geschichtet- von einer Baustofffirma, die unter anderem mit Natursteinen handelt.
Weil ich da jetzt immer besonders achtsam entlang fahre entdecke ich immer wieder Schnecken dieser Art, nehme sie ganz sachte vom Gehweg und setze sie an die Seite. Offensichtlich hat sich die Population da fest etabliert. Größere Schnecken habe ich bislang keine entdeckt; war es womöglich ein einzelnes Gelege, das geschlüpft ist?

Heute hat es ausgiebig geregnet, ich hege die Hoffnung, daß morgen wieder mehr Felsenschnecken an den Steinen zu sehen sind. Und diesmal ist die Kamera ganz sicher dabei
Ich bin übrigens erstaunt, wie gut sich meine mit ein wenig Mühe halten.

Ihrem hiesigen Habitat nach zu urteilen, hätte ich das nicht vermutet.An dem Standort hätte ich nie nach einer Schnecke gesucht.

Schöne Schnecke!
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