# Habitat 2 – Feldversuche, durchgebrannte Sensoren und die erste Eiablage von „Weiße Feder“ ⚙️
Nach den ersten Monaten im Echtbetrieb kann ich langsam sagen: Habitat 2 entwickelt sich nicht mehr nur zu einem Schneckenbecken, sondern zu einem kleinen biologisch-technischen Langzeitexperiment mit sehr deutlicher Meinung der Bewohner.
Und die Meinung der Schnecken scheint positiv auszufallen.
Dem Beitrag hänge ich ein Foto an, auf dem einige Arduino-Platinen, ein Display, ein Schraubenzieher als Größenvergleich und ganz rechts ein durchgebrannter Bodensensor zu sehen sind.
Diese Sensoren werden vom Hersteller übrigens als „robust“, „wasserfest“ und „dauerhaft geeignet“ beworben.
Nun ja.
Sagen wir es höflich:
Die Schnecken hatten längere Lebenserwartung als der Sensor.
Nach ungefähr acht Monaten Praxiseinsatz musste ich feststellen, dass diese Teile im echten Dauerbetrieb leider ziemlich untauglich sind. Genau deshalb habe ich mittlerweile wesentlich kleinere und vollständig wasserdichte Sensoren entwickelt, die ihren Dienst nun zuverlässig verrichten.
Auch die neue Generation der Steuerung macht optisch deutlich mehr her. Die Platinen sehen inzwischen weniger aus wie ein explodierter Kabelbaum aus einem schlecht gelaunten Arduino-Albtraum und eher wie etwas, das tatsächlich mit Absicht gebaut wurde.
Besonders spannend ist aber, welche Elemente des Habitat-Designs sich in der Praxis bewährt haben.
Die unterirdische Bodenstruktur mit ihren Trennwänden funktioniert hervorragend. Dadurch entstehen verschiedene Feuchtigkeitszonen, die von den Schnecken offensichtlich gezielt genutzt werden. Ebenso bewährt hat sich die ruhige Gartenecke, in der kaum gebuddelt wird.
Die Bepflanzung wird ebenfalls erstaunlich gut angenommen. Ganz besonders der Klee.
Mittlerweile bin ich überzeugt:
Ohne Klee geht gar nichts mehr.
Der Klee ist offenbar der absolute Wohlfühlteppich für Weinbergschnecken. Dort wird geruht, gefressen, gekuschelt und vermutlich auch über den Hausmeister diskutiert.
Ebenfalls erfolgreich etabliert hat sich die hängende Badewanne über der Eierablage. Ja, das klingt ungefähr so verrückt, wie es aussieht. Aber sie wird tatsächlich genutzt. Es sieht herrlich absurd aus, wenn eine Schnecke scheinbar schwerelos in der Luft schwebt und dabei ein entspanntes Fußbad nimmt.
Noch nicht vollständig akzeptiert wurde allerdings die vorgesehene Eierablage-Ecke.
Denn ausgerechnet „Weiße Feder“, die kleinste und jüngste Schnecke der Gruppe, nutzte einen unbeobachteten Moment, um ihre ersten Eier unter dem querliegenden Ast abzulegen – selbstverständlich exakt dort, wo eigentlich nichts geplant war.
Und ehrlich gesagt:
Ich war ziemlich gerührt.
Die ersten Eier im Leben einer Schnecke sind irgendwie etwas Besonderes. Jetzt hoffe ich natürlich sehr, dass daraus später ebenso helle und weiße Jungschnecken schlüpfen wie ihre Mutter selbst. Das wäre wirklich ein wunderbares Geschenk.
Die Eier werden am Wochenende vorsichtig extrahiert und anschließend in den „Kindergarten“ umgesiedelt – eine speziell vorbereitete Aufzuchtbox mit einzelnen Bodensektionen. Insgesamt lassen sich dort bis zu 24 getrennte Gelege unterbringen, ohne dass sich die Jungschnecken später gegenseitig bedrängen.
Interessant ist inzwischen auch die neue Praxis nach einer Paarung:
Sobald zwei Schnecken fertig sind, werden beide gemeinsam auf ein Salatblatt gelockt und mitsamt diesem Blatt in den Kindergarten transportiert. Dort dürfen sie sich in Ruhe selbst aussuchen, wer wo seine Eier ablegt. Anschließend geht es wieder zurück ins Habitat 2.
Offenbar stimmen inzwischen auch die klimatischen Bedingungen ziemlich genau. Die Pflanzen wachsen hervorragend, die Feuchtigkeitswerte bleiben stabil – und vor allem wirken die Schnecken vollkommen entspannt.
Für mich persönlich ist genau das vermutlich der schönste Moment:
Zu sehen, dass all die Arbeit, die Experimente, die Umbauten, die Technik und die vielen kleinen Ideen von den neuen Bewohnern offenbar nicht nur akzeptiert, sondern regelrecht angenommen werden.
Habitat 2 lebt inzwischen wirklich.
aptain
