Sonderbares Exemplar............

Alles rund um unsere einheimischen und benachbarten Schneckenarten.

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Beitragvon wolf am 23.03.2019 pm 18:13

Huhu,
anbei ein ziemlich skurriles Exemplar. Auf den ersten Blick könnte man fast geneigt sein, an die Süßwasserschnecke Viviparus zu denken. Weit gefehlt: ein scalarides Exemplar von Helix pomatia. Gehäusehöhe 40 mm. Leerfund in Korbach (Hessen), Sommer 2017.
Schon ziemlich putzig.......... .
HePoScal1Fo360.jpg
HePoScal2Fo360.jpg
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Re: Sonderbares Exemplar............

Beitragvon Wassn am 23.03.2019 pm 19:04

Was für ein tolles Haus!
Und die Schnecke scheint ja ein ganzes Stück gut damit gelebt zu haben! Spannend. :-D
Eine Schnecke wird immer einen Weg
zu deinem Salatbeet finden.
megalobulimus oblongus 8D
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Re: Sonderbares Exemplar............

Beitragvon Ester am 23.03.2019 pm 21:22

Hallo,

schön so ein Häuschen. Gibt es auch anweisungen ob so etwas genetisch ist?
Ich habe solche Foto's gesehen von Cepaea nemoralis und Zeichnungen von Cornu aspersum.

LG,
Ester
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Re: Sonderbares Exemplar............

Beitragvon GreenLeaf29 am 23.03.2019 pm 22:09

Hallo wolf,
sieht echt sehr cool aus sowas! Würd ich ja auch gern mal finden! :-D

Viele Grüße
Bianca
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Re: Sonderbares Exemplar............

Beitragvon wolf am 24.03.2019 am 10:13

Hallo Ihr Lieben,
nach meiner bescheidenen Kenntnis ist die Ursache für eine skalaride Gehäuseform noch nicht geklärt: einige vermuten (!) genetische Ursachen, andere äußere Einwirkungen (Verletzungen in einem sehr frühen Entwicklungszustand, Umwelt-Gifte usw.).
Die Lebensdauer scheint nicht beeinträchtigt zu sein, die Schneckchen kommen gut damit klar........... .
Grüßli: wolf
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Re: Sonderbares Exemplar............

Beitragvon Rasplutin am 26.03.2019 pm 13:53

Ester hat geschrieben:Ich habe solche Foto's gesehen von Cepaea nemoralis und Zeichnungen von Cornu aspersum.
Eine frühe Zeichnung (um 1780) einer skalariden Cornu aspersum ist hier zu sehen:
http://www.weichtiere.at/Schnecken/land ... cornu.html

Bei meinen Helix pomatia konnte ich über die Jahre einzelne Exemplare finden, die entweder aussergewöhnlich eng gewunden waren, als auch Exemplare, die vom Gehäuse her ins "achatschneckige" tendierten.
Es war aber bisher kein Gehäuse dabei, das ich als "skalarid" bezeichnen würde.
Mir scheint es übrigens wenig wahrscheinlich, dass alle Schnecken gut damit klar kommen - so ein Gehäuse ist doch nur unpraktisch und verfängt sich überall beim herumkriechen...
Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Gehäuseform irgendeinen Vorteil bietet, zumindest bei den extremen Formen des "Skalaridismus" (heisst das so?).

Anders ist das bei linksgewundenen Häusern, die zumindest in Einzelfällen der Schnecke einen Überlebensvorteil bringen:
Snails with shells coiling to the left survive snake attacks

Ich vermute aber, die Ursache(n) für ein skalarides Gehäuse sind ähnlich wie die für ein linksgewundenes Gehäuse (also ungekärt). Hier wurde darüber diskutiert:
Schneckenkönig: Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen
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Re: Sonderbares Exemplar............

Beitragvon wolf am 26.03.2019 pm 17:05

Hi Rasplutin,
ich weiß nicht, ob bei der Festlegung des Drehsinnes in freier Wildbahn noch andere Faktoren als die Genetik eine Rolle spielen können. Denkbar........... .
Zumindest konnten bei Radix peregra alle Beobachtungen (über mehrere Generationen hinweg) von Sturtevant (1923) erklärt werden, nämlich durch einen dominant-rezessiven, matroklinen Erbgang - unabhängig von der Frage, was da biochemisch genau läuft. So war das ja oft: erst wurde der Erbgang geklärt und anschließend die dahinterliegende Biochemie.
Ich glaube auch definitiv nicht, dass ein scalarides Häuschen bei Helix pomatia einen Vorteil bietet. Die Nachteile scheinen sich aber in Grenzen zu halten, weil die weitaus meisten scalariden Exemplare offensichtlich weitgehend oder völlig adult waren.
Herzliche Grüße: wolf
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Re: Sonderbares Exemplar............

Beitragvon Rasplutin am 26.03.2019 pm 19:18

wolf hat geschrieben:ich weiß nicht, ob bei der Festlegung des Drehsinnes in freier Wildbahn noch andere Faktoren als die Genetik eine Rolle spielen können.
Ich erst recht nicht - aber die Forschungen von Reiko Kuroda deuten darauf hin, dass es mechanische Ursachen geben könnte (Links dazu im Schneckenkönig-Thread ).

Andererseits:
Rasplutin hat geschrieben:Ich kann nicht schätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Vierzeller genau zum richtigen Zeitpunkt eine Erschütterung erfährt, die die Windungsrichtung ändert.
Ich weiss noch nicht einmal, wann sich die befruchtete Eizelle vom Vierzeller zum Achtzeller teilt, ist das womöglich noch INNERHALB der Schnecke, oder erst nachdem das Ei gelegt wurde?
Könnte es sein, dass der Legevorgang so eine Erschütterung auslöst?

Jetzt bin ich leider selbst schuldig, die Diskussion über zwei Threads zu zerfasern - aber vielleicht sind die Ursachen für ein skalarides Gehäuse wirklich ähnlich wie die für ein linksgewundenes. Oder können es zumindest sein.

Noch zur Frage, ob es die Schnecken behindert:
Die meisten gefundenen Schnecken sind ja nur "gemässigt skalarid" und die Gehäusewindungen liegen eng aneinander. Die extremen Formen (z.B. die Cornu in der oben erwähnten Zeichnung) haben (bzw. hatten) bestimmt grosse Probleme beim herumkriechen...
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