Mein "Habitat2" Technik im Dienst der Entschleunigung

Alles rund um unsere einheimischen und benachbarten Schneckenarten.

Mein "Habitat2" Technik im Dienst der Entschleunigung

Beitragvon captain am 28.04.2026, 07:23

Nach zehn Monaten Planung und Bauzeit ist das neue Zuhause „Habitat 2“ nun fast fertig – und alles scheint genau zur richtigen Zeit zusammenzukommen.
Die Pflanzen haben sich vollständig etabliert und bilden inzwischen ein stabiles, lebendiges Gleichgewicht.
Heute gab es dann auch den ersten schönen Moment: Zwei meiner vier Schnecken (Helix pomatia) sind nach sieben Monaten Winterschlaf wieder aufgewacht und haben begonnen, ihre neue Umgebung zu erkunden.
„Habitat 2“ ist als vollständig selbstregulierende Biosphäre konzipiert, die ihre Umweltparameter eigenständig im Blick behält.
Gemessen werden CO₂, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtintensität sowie die Bodenfeuchtigkeit in vier getrennten Zonen.
Auf Basis dieser Werte steuert ein integriertes Hydrauliksystem gezielt die Bewässerung – jede Zone kann individuell versorgt werden, je nachdem, was gerade benötigt wird.
Auch der Tagesablauf ist möglichst naturnah gestaltet: Am frühen Morgen bildet sich vor dem „Sonnenaufgang“ ein feiner Nebel.
Anschließend wird das Licht über etwa zwei Stunden langsam hochgefahren, bis es Tageslichtniveau erreicht.
Am Abend läuft der Prozess in umgekehrter Richtung – ein sanfter Sonnenuntergang über rund zweieinhalb Stunden sorgt für einen ruhigen Übergang in die Nacht.
Für die Luftzirkulation sorgen zwei PWM-gesteuerte und tachoüberwachte Noctua-Silent-Lüfter.
Sie regeln den CO₂-Gehalt innerhalb der Biosphäre zuverlässig und laufen dabei praktisch geräuschlos sowie vibrationsfrei.
Die Frischluft strömt über indirekte, mit Insektenschutz versehene Luftkanäle ein.
Gleichzeitig sind die Lüfter in das Notfallsystem eingebunden und können bei Bedarf entsprechend reagieren.
Die Pflanzen übernehmen mehrere Aufgaben zugleich: Einige liefern Nahrung und tragen zur Luftfeuchtigkeit bei, andere sorgen für die Sauerstoffproduktion.
Unterstützt wird das Ganze durch die „Bodenpolizei“ – afrikanische Asseln und Springschwänze, die seit rund drei Monaten aktiv im Substrat arbeiten und dort für ein gesundes Gleichgewicht sorgen.
Versuchsweise habe ich Klee ausgesät – und der kommt bei einer der gerade erwachten Schnecken erstaunlich gut an.
Sie sitzt förmlich darin, schläft darauf und scheint ihr kleines Polster kaum noch verlassen zu wollen.
Man könnte fast sagen, sie ist regelrecht verliebt in diesen Klee.
Was der Klee selbst davon hält, bleibt allerdings offen.
Im Hintergrund laufen zudem vier Sicherheitsprotokolle, umgesetzt in etwa 1500 Zeilen eingebettetem C++-Code, die im Notfall eingreifen können.
Alle Daten und Abläufe lassen sich bequem über einen interaktiven Bildschirm verfolgen, sodass jederzeit ein Überblick über das gesamte System möglich ist.
Jetzt, wo die ersten Bewohner wieder aktiv sind, bleibt vor allem die Hoffnung, dass sich alles so entwickelt, wie gedacht – und dass meine kleinen Freunde in ihrem neuen Zuhause genau das finden, was es sein soll: ein kleines Paradies.
Ein paar Bilder habe ich ebenfalls angehängt, die einen kleinen Einblick in das Habitat geben.[code][/code]
captain
 
Beiträge: 34
Bilder: 0
Registriert: 08.09.2024, 07:07

Re: Mein "Habitat2" Technik im Dienst der Entschleunigung

Beitragvon Yara am 28.04.2026, 11:47

Sehr abgefahren. Es sieht auf jeden Fall sehr gemütlich da drin aus :)
Benutzeravatar
Yara
 
Beiträge: 458
Registriert: 10.09.2024, 11:21

Re: Mein "Habitat2" Technik im Dienst der Entschleunigung

Beitragvon sternchen am 28.04.2026, 11:57

Wow, ich bin Megabeindruckt!!! :thumb: :thumb:
Das nennt man mal durchdacht und richtig gut umgesetzt 8D

10 Monate um das von null auf die Straße zu bringen, mit all den Hürden, die sich im Laufe der Entwicklung und Programmierung sIch so ergeben, ist meiner Meinung nach ein guter Schnitt :lol: (Bei mir würde es auf alle Fälle am Coden scheitern)

Ich glaube, Deine Schneckis werden sich wie die Könige im Paradies fühlen :lol: :lol:
Benutzeravatar
sternchen
 
Beiträge: 299
Bilder: 9
Registriert: 03.07.2024, 10:09
Wohnort: Paffenhofen a.d. Ilm

Re: Mein "Habitat2" Technik im Dienst der Entschleunigung

Beitragvon captain am 28.04.2026, 14:54

Danke an alle für die netten Worte. Als ich mit dem Habitat 2 begann, wollte ich eigentlich nur ein größeres Terrarium bauen – und schnell entwickelte es sich in eine Richtung, die ich mir selbst gar nicht vorstellen konnte. Anfangs war nur geplant, eine gesteuerte Beleuchtung einzubauen. Zum Steuern wollte ich einen schon lange verstaubt in einer Schublade liegenden Arduino-Elektrobaustein verwenden. C++ habe ich zuvor noch nie in meinem Leben selbst programmiert. Ich habe sehr rudimentär mit einfachen Dingen gearbeitet, wie es die meisten mit Arduino tun: etwas zusammenstecken, ein fertiges Stück Code nutzen, und es läuft – und man hat Spaß.

Das war aber schnell überschritten, und selbst das Arduino-Board erreichte bald seine Grenzen. Also habe ich mir C++ selbst beigebracht, ebenso das Bauen und Verstehen von Elektronik. Die Sensoren, die ich zunächst einsetzen wollte, waren zwar ein guter Ansatz, aber nicht tauglich für den langfristigen Einsatz. Im Probebetrieb gingen sie nach kurzer Zeit kaputt, da sie oft schlecht und günstig verarbeitet sind. Also musste ich lernen, Sensoren selbst zu bauen – und besser zu machen: haltbarer und präziser. Inzwischen verwende ich Sensoren, die in Langzeitversuchen sogar vollständig tauchfähig sind, da ich meine kleinen Weinbergschnecken nicht stören möchte, wenn ein Sensor ausfällt. Eingriffe wären dann oft recht radikal und würden viel zerstören – genau das soll dieses Projekt ja vermeiden.

Mit dem Lernen wuchsen auch meine Ideen: wie man mit Überwärme umgeht, mit zu hoher oder zu niedriger Luftfeuchtigkeit, mit zu viel CO₂ und so weiter. Dank angewandter Physik – und nein, ich bin kein Physiker, sondern tatsächlich Kapitän zur See – ist das Habitat 2 nun zu etwa 90 Prozent fertig. Ein paar Kopfschmerzen bereitet noch die Überarbeitung des hydraulischen Systems. Meine Vorgabe ist, so wenige sichtbare Kabel und Schläuche wie möglich zu haben. „Design follows function“, aber man kann sich ja trotzdem fragen, warum man fünf Schläuche verlegen sollte, wenn einer reicht. So landet man plötzlich bei Themen wie Hydraulik, Solenoiden und der Frage, wie man eine unsichtbare Wasserverteilung in einen Deckel integriert.

Drei große Aufgaben stehen noch bevor: Erstens müssen die 26 Kabel, die unterirdisch auf der Rückseite aus dem Habitat führen, zu einem einzigen Kabel gebündelt werden, das zum Mikrocontroller geht. Zweitens soll diese Mikrocontroller-Einheit, die aktuell noch wie ein explodierter Wollknäuel aus bunten Drähten aussieht, zu einer ultrakompakten Einheit werden, die unauffällig im Wohnzimmer verschwinden kann. Und drittens steht noch die Finalisierung der Hydraulik an.

Im Grunde habe ich dieses Habitat während seiner Entwicklung viermal gebaut, da viele Dinge relativ schnell ausfielen. Die Lernkurve war steil – und ehrlich gesagt auch ziemlich brutal. Aber jetzt steht das Ziel, und die Schneckchen sind eingezogen. Zwei schlafen noch tief und fest; der Umzug hat sie nicht einmal geweckt.

Heute habe ich noch etwas Totholz eingebracht, das seit einem Jahr im Quarantänelager lag, damit sie Versteckmöglichkeiten haben. Es war ein unglaublicher Anblick zu sehen, wie eine der Schnecken, die zuerst wach war, schnurstracks zum Klee gekrochen ist, sich daraufgesetzt hat – und man ihr förmlich ansehen konnte, dass sie sich wohlfühlt und am liebsten gar nicht mehr weg möchte. Am Ende ist sie dann doch weitergezogen, weil die Müdigkeit sie übermannte: zum Breitwegerich, unter dessen Blätter sie sich zurückgezogen hat.

Die Pflanzen sind allesamt Naturentnahmen und haben eine mehrmonatige Quarantäne durchlaufen, sodass keine Fremdorganismen eingeschleppt wurden: schmaler und breiter Wegerich, Löwenzahn, Efeu, Gänseblümchen – und natürlich eine Zimmerlilie für den Sauerstoff sowie ausgesäter Weißklee. Ich hoffe, die Pflanzen vertragen sich miteinander, aber die Schnecken sind ohnehin die besten Gärtner – die werden das schon regeln.

Ergänzend dazu: Nach dem inneren Rohbau, mit seinen unterirdischen Unterteilungen und der integrierten Sensorik, wurde das Habitat mit vier verschiedenen Erdmischungen befüllt. Alle Sensoren sind exakt auf die jeweiligen Feuchtigkeitsgrade und deren Verlauf abgestimmt. Es gibt einen Bereich, in dem die Erde um etwa sechs Zentimeter erhöht ist. Hier findet eine sehr dezente Aufkalkung statt; der Boden ist bewusst grabfreudig gehalten, Verwurzelungen sind dort jedoch nicht möglich. Die Pflanzen wurden bereits früh – etwa zwei Monate nach Baubeginn – eingesetzt, damit sie sich gut mit dem Erdreich verbinden können.

Zusätzlich gibt es eine sogenannte Gartenecke: Sie liegt auf Blähton, ist extrem feucht, und der Blähton verhindert, dass die Schnecken dort graben. Eine weitere Zone dient gezielt der Kalkaufnahme – dort befindet sich Sepia, und die Erde ist mit etwa 10 % Feuchtigkeit sehr trocken gehalten. In der erhöhten Ecke hingegen liegt die Feuchtigkeit bei etwa 60 bis 70 %. Da der Boden dort locker und nicht durchwurzelt ist, gehe ich davon aus, dass die Schnecken diesen Bereich bevorzugt zum Eingraben ihrer Eier nutzen werden – was es mir erleichtern würde, diese später zu finden. Ob der Plan aufgeht, wird sich zeigen.

Der restliche Bereich besteht aus einer 50/50-Mischung aus Blähton und verschiedenen Substraten: teils sterilisierter Naturerde, teils Kokoshumus. Dieses System ist inzwischen gut durchwurzelt und stabil. Ich hoffe, dass ich die Eiablage damit ein Stück weit lenken kann – bin aber gleichzeitig auf Überraschungen vorbereitet. Schnecken sind schließlich hervorragende Gräber und kleine Bulldozer.

Eines ist sicher: In zwei Monaten wird nichts mehr so aussehen wie jetzt. Aber das ist auch gut so, denn es ist nicht mein Zuhause – es gehört ihnen. Mit ihrem Einzug bin ich vom Baumeister zum Beobachter geworden. Die eigentlichen Besitzer sind nun die Schnecken, und sie werden sich alles so einrichten, wie es für sie am besten passt.

Wenn ihr noch Ideen habt, was in ein Biotop gehört, lasst es mich gerne wissen. Die Planung für Habitat 3 läuft bereits im Kopf an. Aber zunächst wird Habitat 2 noch schön fertiggebaut. Dann gibt es eine kleine Pause – und danach geht es vermutlich schon weiter mit Habitat 3, das dann auch einen internen Wasserkreislauf mit eigener Filterung bekommen soll.
captain
 
Beiträge: 34
Bilder: 0
Registriert: 08.09.2024, 07:07

Re: Mein "Habitat2" Technik im Dienst der Entschleunigung

Beitragvon sternchen am 28.04.2026, 22:29

Ich bin wirklich beeindruckt und mein Mann auch :lol: Da steckt richtig viel Mühe und Herzblut drin. Und alles gut durchdacht.

Eine Frage habe ich aber noch: bei deinem Beruf - sind deine Weinis Hochseeschnecken :lol: :lol: :lol:
sowie Gerold Bertram im Post von Karamella: viewtopic.php?f=62&t=32759
Gerold Bertram befindet sich in der Sommerfrische und hat sich nach seinem 1. Segeltörn als echter Salzbuckel gezeigt :-D
Er ist natürlich mit uns in den Urlaub gesegelt und ist wahrhaft das perfekte Haustier für Segler… keine Haare an Bord, kein Gekläffe, keine Haufen… :lol:
Benutzeravatar
sternchen
 
Beiträge: 299
Bilder: 9
Registriert: 03.07.2024, 10:09
Wohnort: Paffenhofen a.d. Ilm

Re: Mein "Habitat2" Technik im Dienst der Entschleunigung

Beitragvon Fuzzi am 29.04.2026, 03:27

Das ist ja richtig toll geworden für Deine Schneckchen 8D Welche Mühe Du Dir gemacht hast, ich würd das leider gar nicht hinbekommen, bin voll die Niete in Physik :-D lg Fuzzi
In der Ruhe liegt die Kraft
Benutzeravatar
Fuzzi
 
Beiträge: 835
Registriert: 29.01.2022, 05:17
Wohnort: Odenwald

Re: Mein "Habitat2" Technik im Dienst der Entschleunigung

Beitragvon Kubah am 29.04.2026, 09:57

wow, was für ein tolles Projekt, was für ein großartiges Ergebnis!
Kubah
 
Beiträge: 22
Registriert: 29.01.2026, 11:48
Wohnort: Tangstedt

Re: Mein "Habitat2" Technik im Dienst der Entschleunigung

Beitragvon mercury am 29.04.2026, 10:49

Wow, ich beeindruckt von der Arbeit und Mühe, die du dort reingesteckt hast, indem du dir das in weiten Teilen selbst erarbeitet hast! Das ist wirklich ein kleines Paradies für die "kleinen Bulldozer". :-D Ich bin sehr gespannt, wie es in einiger Zeit aussehen wird. Es wäre toll, wenn du uns auf dem Laufenden halten könntest!
Benutzeravatar
mercury
 
Beiträge: 256
Registriert: 03.10.2021, 08:58
Wohnort: Euskirchen

Re: Mein "Habitat2" Technik im Dienst der Entschleunigung

Beitragvon captain am 29.04.2026, 18:46

Ein kleines Update, wie versprochen – und auch als Dank für die vielen freundlichen Rückmeldungen hier im Forum.
Inzwischen sind zwei der Tiere aus dem Winterschlaf erwacht: Weiße Feder und Tiny. Der Aufwachprozess selbst ist etwas, das man kaum in Worte fassen kann, wenn man es zum ersten Mal bewusst miterlebt. Über etwa anderthalb Tage hinweg lösen sie sich ganz langsam aus ihrer Starre, tasten sich vorsichtig zurück ins Leben. Und auch danach sind sie noch lange nicht „wach“ im eigentlichen Sinne – eher, als würden sie sich erst wieder an die Welt erinnern. Genau diese Phase verlangt vor allem eines: absolute Ruhe.
Kurz nach dem Erwachen kam es bereits zu einer ersten Paarung – ruhig, konzentriert und zugleich beeindruckend. Seitdem hat sich Tiny eher zurückgezogen und an einer der neuen Flächen positioniert, während Weiße Feder langsam beginnt, die Umgebung zu erkunden – vorsichtig, suchend, beinahe tastend, mit sichtbarer Neugier, derzeit vor allem im Bereich des Löwenzahns.
MomSnail hat sich hingegen entschieden, den Winterschlaf noch etwas zu verlängern und den Kalkdeckel wieder geschlossen. Auch das gehört dazu – jedes Tier folgt hier offensichtlich seinem eigenen Rhythmus.
Der „alte Krieger des Mondes“ war zwischenzeitlich aktiv, hat sich jedoch sehr gelassen gezeigt. Ein kurzer Weg vom ursprünglichen Platz unter einem Ast hin zu einem weichen Klee-Polster, ein wenig Futteraufnahme – und dann wieder Ruhe. Es wirkt weniger wie ein klassisches Aufwachen, sondern eher wie ein nahtloses Weitergleiten. Fast schon etwas Zenhaftes liegt darin.
Technisch hat sich ebenfalls einiges getan: Die Steuerung für Sonnenauf- und -untergang wurde noch einmal überarbeitet. Beide Übergänge laufen nun jeweils über rund zwei Stunden und zeieinhalb Stunden – vollständig weich und ohne sichtbare Stufen. Das Licht verändert sich kontinuierlich, ohne das typische „Rastern“, das man von vielen LED-Systemen kennt. Gerade dieser lineare Verlauf macht einen deutlichen Unterschied in der Wirkung – nicht nur für die Tiere, sondern auch für die gesamte Atmosphäre im Habitat.
Eine besondere Herausforderung war zudem das Verhalten bei Stromausfall: Das System merkt sich den letzten Zustand und kehrt nach Wiederherstellung der Versorgung sanft dorthin zurück. Selbst wenn der Ausfall während eines Sonnenuntergangs erfolgt, wird der korrekte Lichtwert wiederhergestellt und der Ablauf sauber fortgeführt. In der Beschreibung wirkt das simpel, in der Umsetzung war es jedoch ein durchaus anspruchsvolles Stück Programmierung.
Die Pflanzen haben sich im Großen und Ganzen gut etabliert, auch wenn erste Fraßspuren sichtbar sind – was letztlich Teil des Systems ist. Es zeigt, dass das Habitat nicht nur „funktioniert“, sondern auch tatsächlich genutzt wird.
Was sich in den kommenden Wochen zeigen wird, ist vor allem die Frage, ob die vorbereiteten Strukturen im Boden – insbesondere im Hinblick auf mögliche Eiablageplätze – von den Tieren angenommen werden. Das ist nichts, was man erzwingen könnte. Ich sehe meine Rolle hier eher als die eines Architekten: Ich schaffe die Bedingungen – wie sie genutzt werden, entscheiden die Bewohner selbst.
Ich halte euch gern weiter auf dem Laufenden, sowohl was die Entwicklung der Tiere betrifft als auch die technische Seite des Systems.

Vielleicht noch ein paar Worte zu den Namen, die hier gefallen sind.

Sie waren nie als bloße Bezeichnungen gedacht. Über die letzten anderthalb Jahre sind sie vielmehr aus dem Verhalten der Tiere heraus entstanden – langsam, beinahe von selbst. Nicht ich habe die Namen festgelegt, sondern die Schnecken haben sie sich gewissermaßen „erarbeitet“.

Manche waren sofort da. Der „alte Krieger des Mondes“ etwa – dieser Name stand früh im Raum und hat sich nie wieder verändert. Auch „Weiße Feder“ ergab sich fast unmittelbar aus ihrer Erscheinung und Präsenz. Andere Namen brauchten länger. Sie haben sich erst mit der Zeit herausgebildet, mit jedem kleinen Verhalten, mit jeder Eigenart, die sichtbar wurde.

Es sind keine Namen im klassischen Sinne. Eher Beschreibungen. Momentaufnahmen von Charakter, Haltung und Ausstrahlung – eingefangen in wenigen Worten.

Und vielleicht ist genau das der Punkt: In einem System wie diesem, das auf Ruhe, Beobachtung und Eigenentwicklung basiert, entstehen auch die Namen nicht durch Entscheidung, sondern durch Wahrnehmung.

Sie sind, wie alles andere hier auch, ein Ergebnis dessen, was sich von selbst zeigt.

Von zehn Jahren in China hat es ganze sieben Jahre gedauert, bis meine Freunde und meine Lebensgefährtin mir einen chinesischen Namen gegeben haben – einen, den ich bis heute trage.

6/2025 Mama-Snail
8/2025 Tiny
8/ 2025 Weiße Feder
白羽 Báiyǔ

9/2025 Alter Krieger des Mondes
老月子 Lǎo Yuè Zǐ
captain
 
Beiträge: 34
Bilder: 0
Registriert: 08.09.2024, 07:07

Habitat 2 meldet: Wohnungsmarkt explodiert – Weinbergschnecken suche

Beitragvon captain am 09.05.2026, 07:30

Im Habitat 2 herrscht derzeit offensichtlich absolute Zufriedenheit. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum meine vier Weinbergschnecken (Helix pomatia) innerhalb von gerade einmal zehn Tagen bereits die dritte „Produktionsrunde“ eingeläutet haben. Zwei Gelege mit jeweils ungefähr 60 Eiern existieren bereits – und das dritte scheint schon in Planung zu sein.
Kurz gesagt: Die Damen und Herren meinen es ernst.

Ich freue mich riesig darüber, denn schöner kann eine Rückmeldung auf ein neues Habitat eigentlich kaum ausfallen. Wer Schnecken hält, weiß: Wenn sie sich nicht wohlfühlen, passiert genau gar nichts. Wenn sie allerdings anfangen, in Serie Eier zu legen, scheint die Wohnlage akzeptiert worden zu sein. Habitat 2 wurde also offenbar offiziell abgenommen.

Da ich grundsätzlich kein Freund davon bin, Lebewesen zu verkaufen, möchte ich die zukünftigen Jungschnecken beziehungsweise bereits vorhandene Eier gerne kostenfrei an interessierte Mitglieder aus dem Schneckenforum.de abgeben.

„Kostenfrei“ bedeutet dabei allerdings:
Die Schnecken dürfen gratis ausziehen – der Schneckenpapa möchte nur nicht auf den Nebenkosten sitzen bleiben.

## Möglichkeit 1 – Abholung (bevorzugt)

Am schönsten wäre natürlich eine persönliche Abholung.
Bitte vorher kurz Bescheid sagen, wie viele Eier oder Jungtiere gewünscht sind. Und ja: Aus jedem Ei wird mit etwas Geduld tatsächlich eine kleine Schnecke.

Ideal wäre es außerdem, wenn ein geeignetes Behältnis mitgebracht wird. Dann können die Kleinen stressfrei und sicher umziehen.

## Möglichkeit 2 – Versand

Versand ist grundsätzlich ebenfalls möglich.
Da ich allerdings kein professionelles Versandzentrum mit Heimchenbox-Lager, Verpackungsstraße und DHL-Logistikabteilung betreibe, müsste ich geeignetes Material teilweise erst besorgen.

Deshalb meine kleine Bitte:
Ein DHL-QR-Code für den Versand wäre perfekt, damit ich die Tiere ohne zusätzliche Kosten für mich verschicken kann.
Für Verpackungsmaterial würde ich gegebenenfalls eine wirklich kleine Kostenbeteiligung anfragen – einfach nur, damit Habitat 2 nicht plötzlich zum gemeinnützigen Versandunternehmen wird.

Was mir außerdem wichtig wäre:
Bei Versand würde ich mich sehr über ein kleines Vorabfoto des zukünftigen Zuhauses freuen. Nicht als Kontrolle, sondern einfach, damit ich weiß, dass die Kleinen in gute Hände kommen und künftig ebenfalls ein schönes Schneckenleben führen dürfen.

Wer also Interesse an kleinen Weinbergschnecken aus liebevoller Nachzucht hat, darf sich gerne melden.
Habitat 2 produziert derzeit jedenfalls zuverlässiger als manche Großbäckerei.

Vielen Dank schon jetzt an alle Interessierten – und natürlich auch an alle, die hier einfach nur mitlesen und sich mitfreuen.

Captain
captain
 
Beiträge: 34
Bilder: 0
Registriert: 08.09.2024, 07:07

Re: Habitat 2 meldet: Wohnungsmarkt explodiert – Weinbergschnecken suche

Beitragvon LolaLuca am 09.05.2026, 07:53

hallo, ich bin nur eine von denen, die sehr fasziniert von deinen wohnbauprojekten mitliest. sehr beeindruckend deine unternehmungen. bin auch schon neugierig, ob die unterschiedlichen zonen planmäßig benützt werden, sehr interessant jedenfalls deine highend-„forschungsstation“ 8)
„ich HOLE mir (neue) schnecken“ erschüttert mich - ICH „hole“ mir mal was aus der apo…
Benutzeravatar
LolaLuca
 
Beiträge: 1312
Bilder: 202
Registriert: 07.03.2023, 14:40
Wohnort: Wien

Habitat 2: Feldversuche, durchgebrannte Sensoren + erste Eiablage

Beitragvon captain am 09.05.2026, 10:04

# Habitat 2 – Feldversuche, durchgebrannte Sensoren und die erste Eiablage von „Weiße Feder“ ⚙️

Nach den ersten Monaten im Echtbetrieb kann ich langsam sagen: Habitat 2 entwickelt sich nicht mehr nur zu einem Schneckenbecken, sondern zu einem kleinen biologisch-technischen Langzeitexperiment mit sehr deutlicher Meinung der Bewohner.

Und die Meinung der Schnecken scheint positiv auszufallen.

Dem Beitrag hänge ich ein Foto an, auf dem einige Arduino-Platinen, ein Display, ein Schraubenzieher als Größenvergleich und ganz rechts ein durchgebrannter Bodensensor zu sehen sind.
Diese Sensoren werden vom Hersteller übrigens als „robust“, „wasserfest“ und „dauerhaft geeignet“ beworben.

Nun ja.
Sagen wir es höflich:
Die Schnecken hatten längere Lebenserwartung als der Sensor.

Nach ungefähr acht Monaten Praxiseinsatz musste ich feststellen, dass diese Teile im echten Dauerbetrieb leider ziemlich untauglich sind. Genau deshalb habe ich mittlerweile wesentlich kleinere und vollständig wasserdichte Sensoren entwickelt, die ihren Dienst nun zuverlässig verrichten.

Auch die neue Generation der Steuerung macht optisch deutlich mehr her. Die Platinen sehen inzwischen weniger aus wie ein explodierter Kabelbaum aus einem schlecht gelaunten Arduino-Albtraum und eher wie etwas, das tatsächlich mit Absicht gebaut wurde.

Besonders spannend ist aber, welche Elemente des Habitat-Designs sich in der Praxis bewährt haben.

Die unterirdische Bodenstruktur mit ihren Trennwänden funktioniert hervorragend. Dadurch entstehen verschiedene Feuchtigkeitszonen, die von den Schnecken offensichtlich gezielt genutzt werden. Ebenso bewährt hat sich die ruhige Gartenecke, in der kaum gebuddelt wird.

Die Bepflanzung wird ebenfalls erstaunlich gut angenommen. Ganz besonders der Klee.
Mittlerweile bin ich überzeugt:
Ohne Klee geht gar nichts mehr.

Der Klee ist offenbar der absolute Wohlfühlteppich für Weinbergschnecken. Dort wird geruht, gefressen, gekuschelt und vermutlich auch über den Hausmeister diskutiert.

Ebenfalls erfolgreich etabliert hat sich die hängende Badewanne über der Eierablage. Ja, das klingt ungefähr so verrückt, wie es aussieht. Aber sie wird tatsächlich genutzt. Es sieht herrlich absurd aus, wenn eine Schnecke scheinbar schwerelos in der Luft schwebt und dabei ein entspanntes Fußbad nimmt.

Noch nicht vollständig akzeptiert wurde allerdings die vorgesehene Eierablage-Ecke.

Denn ausgerechnet „Weiße Feder“, die kleinste und jüngste Schnecke der Gruppe, nutzte einen unbeobachteten Moment, um ihre ersten Eier unter dem querliegenden Ast abzulegen – selbstverständlich exakt dort, wo eigentlich nichts geplant war.

Und ehrlich gesagt:
Ich war ziemlich gerührt.

Die ersten Eier im Leben einer Schnecke sind irgendwie etwas Besonderes. Jetzt hoffe ich natürlich sehr, dass daraus später ebenso helle und weiße Jungschnecken schlüpfen wie ihre Mutter selbst. Das wäre wirklich ein wunderbares Geschenk.

Die Eier werden am Wochenende vorsichtig extrahiert und anschließend in den „Kindergarten“ umgesiedelt – eine speziell vorbereitete Aufzuchtbox mit einzelnen Bodensektionen. Insgesamt lassen sich dort bis zu 24 getrennte Gelege unterbringen, ohne dass sich die Jungschnecken später gegenseitig bedrängen.

Interessant ist inzwischen auch die neue Praxis nach einer Paarung:
Sobald zwei Schnecken fertig sind, werden beide gemeinsam auf ein Salatblatt gelockt und mitsamt diesem Blatt in den Kindergarten transportiert. Dort dürfen sie sich in Ruhe selbst aussuchen, wer wo seine Eier ablegt. Anschließend geht es wieder zurück ins Habitat 2.

Offenbar stimmen inzwischen auch die klimatischen Bedingungen ziemlich genau. Die Pflanzen wachsen hervorragend, die Feuchtigkeitswerte bleiben stabil – und vor allem wirken die Schnecken vollkommen entspannt.

Für mich persönlich ist genau das vermutlich der schönste Moment:
Zu sehen, dass all die Arbeit, die Experimente, die Umbauten, die Technik und die vielen kleinen Ideen von den neuen Bewohnern offenbar nicht nur akzeptiert, sondern regelrecht angenommen werden.

Habitat 2 lebt inzwischen wirklich.

aptain
Zuletzt geändert von Skilltronic am 16.05.2026, 14:07, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreffzeile gekürzt
captain
 
Beiträge: 34
Bilder: 0
Registriert: 08.09.2024, 07:07

Re: Habitat 2 – Feldversuche, durchgebrannte Sensoren und die erste Eiab

Beitragvon Centi am 15.05.2026, 11:55

captain hat geschrieben: 09. May 2026 12:04
Der Klee ist offenbar der absolute Wohlfühlteppich für Weinbergschnecken. Dort wird geruht, gefressen, gekuschelt und vermutlich auch über den Hausmeister diskutiert.


:lol:

Schön, dass Nachwuchs schon in Aussicht steht!

Am Rande: Soll jetzt keine Kritik sein, aber zum Mitlesen wäre es angenehmer, wenn du einfach einen Thread fortführen würdest und nicht bei jedem Update einen neuen aufmachen. ;)
Die Außenwelt wird überbewertet.
Benutzeravatar
Centi
 
Beiträge: 538
Registriert: 28.07.2025, 12:33
Wohnort: Elzach

Re: Habitat 2 – Feldversuche, durchgebrannte Sensoren und die erste Eiab

Beitragvon LolaLuca am 15.05.2026, 19:05

Centi hat geschrieben: 15. May 2026 13:55
:)
captain hat geschrieben: 09. May 2026 12:04
Der Klee ist offenbar der absolute Wohlfühlteppich für Weinbergschnecken. Dort wird geruht, gefressen, gekuschelt und vermutlich auch über den Hausmeister diskutiert.


:lol:

es gibt noch so ein ganz offensichtliches wohlfühlateal für alles mögliche, zumindest für die weinis in unserem garten: polsterphlox :) ob sich der im zerra auch etablieren kann, weiss ich nicht. aber wenn, dann in deiner high-tech anlage :)
„ich HOLE mir (neue) schnecken“ erschüttert mich - ICH „hole“ mir mal was aus der apo…
Benutzeravatar
LolaLuca
 
Beiträge: 1312
Bilder: 202
Registriert: 07.03.2023, 14:40
Wohnort: Wien

Re: Habitat 2: Feldversuche, durchgebrannte Sensoren und erste Eiablage

Beitragvon captain am 16.05.2026, 14:03

Centi hat geschrieben: 15. May 2026 13:55
captain hat geschrieben: 09. May 2026 12:04
Der Klee ist offenbar der absolute Wohlfühlteppich für Weinbergschnecken. Dort wird geruht, gefressen, gekuschelt und vermutlich auch über den Hausmeister diskutiert.


:lol:

Schön, dass Nachwuchs schon in Aussicht steht!

Am Rande: Soll jetzt keine Kritik sein, aber zum Mitlesen wäre es angenehmer, wenn du einfach einen Thread fortführen würdest und nicht bei jedem Update einen neuen aufmachen. ;)


@Admin : Hallo lieber Admin ich möchte die Kritik konstruktiv aufgreifen und würde dich bitten die 3 Berichte vielleicht in einem zusammenzufassen einfach untereinander kopieren. Welcher der Führende es dann überlasse ich den Admin. So wie es geht und wenn es nicht geht dann führ ich eben nur noch ein weiter Konstrukt Kritik angenommen und angekommen :o)
captain
 
Beiträge: 34
Bilder: 0
Registriert: 08.09.2024, 07:07


Zurück zu Europäische Arten

Wer ist online?

Mitglieder: 0 Mitglieder