Verirrte Schnecke im Blumentopf

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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon KrabbelKram am 03.06.2019, 14:09

Du hast eine tolle Art zu schreiben und es klingt echt viel Fürsorge und Achtsamkeit in Deinen Erzählungen mit - es macht Freude, Deine Beiträge zu lesen! :)
Viele liebe Grüße,

KrabbelKram
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Re zu "Schnecke im Blumentopf" und "Achtsamkeit"

Beitragvon Hummeldrohn am 20.07.2019, 23:01

Na isses denn, schon wieder eine Schnecke im Blumentopf (unverirrt) - Mediterran, aber keine gefleckte Weinbergschnecke wie mein Hubert?. Hätte ich doch schwören können, dass das ein Brüderchen meines Huberts ist. Nach Gehäusemuster und Fuß. Derselbe so hell wie der von Hubert-der-in-den-Topf-fiel. Wollte am Mandarinenbäumchen überwintern und fiel bei einer Gießaktion ab. Wurde entdeckt und gepflegt und im Frühling mit drei anderen erwachsenen Kollegen in einem Standardaquarium über den trockenen Frühling hinaus weiter als Haustier gehalten. Allerdings hatten seine drei neuen Freunde, die sich während der Gartenarbeit allmählich fanden, einen dunklen Ring am Fuß.

Das Quartett freundete sich wohl trotz unterschiedlicher Fußfarben blendend an und vermehrte sich prächtig. Nach drei Paarungen, die ich beobachten konnte, verdunkelte ich, so dass diese kontaktfreudigen Schleimfüßler maximal 12 Stunden Licht bekamen - angeblich ein wirksames Verhütungsmittel, wenn die Lichtdauer unter 15 Stunden liegt. Sie poppten trotzdem ...

Und der Nachwuchs kommt gut eine Woche ohne Nahrung aus. Das einzige, was die kleinen Lümmel zu interessieren scheint, ist: WEG!!! - Sie quetschen sich locker durch die empfohlenen 8-Millimeter-Bohrungen und zwängen sich sogar noch durch welche mit nur 5 mm. Außerhalb des Standard-Aquariums ist ihnen dann allerdings die Luft zu trocken und sie kleben sich an der Unterseite des Deckels fest. Drei Würfe/Gelege habe ich noch separat untergebracht, dann Wurf Vier abends nach kurzem Regenschauer im Garten. Im Schneck-Eck, einem schattigen und regelmäßig feucht gehaltenen Bereich, der locker mit Küchenabfällen angereichert wird. Wie leicht die Häuser der Schlupflinge sind, merkte ich dann einige Tager später beim Unkraut jäten fünf Meter vom Eck entfernt, wo sich mehrere Ameisenvölker aufhalten: Beim heftigen Ausatmen hatte ein unversehrt gebliebenes und leeres Schneckenhaus nur durch die Atemluft vom Boden abgehoben, wurde dann vom Wind erfasst und landete zwei Meter weiter.

Wegen der Zerbrechlichkeit der Häuser sprühe ich ausbrechende Schlüpflinge daher mit Wasser an, um sie von ihrer Unterlage zu lösen und nehme sie dann mit einem feuchten Pinsel auf. Entweder kleben sie direkt am Pinsel fest (Adhäsion) oder sie lassen sich über den Rand des Deckels mit dem Pinsel vorsichtig abfegen. Und da fällt mir wieder die Achtsamkeit ein. Danke für das Kompliment, aber wofür? - Man kann sich noch soviel Mühe geben, es gibt Verluste: Hier klebte noch ein Frischling unbemerkt am Deckel, da fiel einer auf den Boden ... manchmal hört man das leise Knistern, aber ich will gar nicht wissen, wie oft ich den Verlust gar nicht mitbekam ...

Besonders neugierig gemacht hat mich eine Schnecke, die noch kleiner als die Hubert-Babies ist. Sie flüchtete in den letzten Tagen zum zweiten Mal und klebte fast an derselben Stelle, an der ich sie einige Tage vorher schon einmal absammelte: Streichholzkopfgroß und spitzer zulaufend als die rundlichen Huberts. Und wie wohl ein wilder Hubert überlebte, der sich im Garten jugendlich durch Kaninchendraht in einen Abfluss gezwängt haben muss und nur noch Nahrung bekam, die auch da durchpasste?

Kann Achtsamkeit ein Problem sein? - Aus vier Schnecken wurden viel mehr, die in freier Natur sicher nicht (fast) alle überlebt hätten. Und da trotz Lichtverhütung schon wieder mindestens zwei Gelege auf das Ausschlüpfen warten, überlege ich, wie ich diese neue Schneckenschwemme einem Rotkehlchen zuführen könnte. Es hat Kinder zu versorgen und vielleicht seinen Partner verloren. Jedenfalls fand ich ein anderes totes Rotkehlchen im Garten.

Wahrscheinlich grabe ich die Gelege mit einem Löffel aus und platziere sie in der Nähe des Rotkehlchennestes.

Schleimige Grüße vom Hummeldrohn
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Leidenschaft bis zum Tod

Beitragvon Hummeldrohn am 26.07.2019, 22:42

Hab vor einigen Tagen zwei fast gleich große Häuser der gefleckten Weinbergschnecke dicht nebeneinander gefunden. Als ich das eine aufhob, kam das andere mit. Bei näherer Betrachtung waren in den Häusern zwei zusammengeschrumpelte Schneckenleichen, die sich wohl nicht rechtzeitig vor der Sonne voneinander lösen konnten. Ich nahm sie mit, ohne sie zu trennen und weichte sie in Wasser ein. Bei einer anderen Schnirkelschnecke, die vermutlich bis Juli ohne Wasser und Brot, äh Gemüse, irgendwo an der Wand klebte, hatte es funktioniert: Sie hatte sich ganz weit in ihr Haus zurückgezogen und bewohnte vielleicht noch ein knappes Viertel des Gesamtvolumens, aber nach einigen Stunden wurde aus dem vertrockneten, in den Windungen kaum erkennbaren Etwas wieder eine agile Schnecke.

Bei meinem Liebespaar schaffte es leider nur eine nach Wasserzugabe. Nachdem sie sich erholt hatte, schleifte sie ihre tote Liebste noch einige Zeit hinter sich her, bis ich dann behutsam versuchte, die beiden auseinander zu ziehen. Da ich die überlebende aber nicht verletzen wollte, hörte ich auf, als ihr Geschlechtsapparat sich einige Millimeter nach außen stülpte und sie den Kopf von meinem Finger gelöst hatte. Ich entschied mich, die beiden in eine Plastikdose mit etwas Wasser zu setzen, fixierte die tote Schnecke mit einem Faden und verdunkelte.

Am nächsten Tag war meine eingetrocknete Heldin frei, ihre Geschlechtsöffnung zwar noch als heller Kreis rechts vom Kopf sichtbar, aber ohne Rückstände des abgerissenen oder abgenagten Geschlechtsteils ihrer Liebsten. Die hatte eh kaum Wasser aufgenommen und sah aus wie am Vorabend. Allerdings war ihre Geschlechtsöffnung bis auf die vielleicht 10 Millimeter dürr herausragenden Reste kaum sichtbar.

Achtsamkeit wird mir gegenwärtig zu oft gebraucht. Aber danke trotzdem. Ich versuche umsichtig zu sein und wie bei der Teilnahme am Straßenverkehr mit allem zu rechnen: Trecker aus dem Feldweg, Missachtung der Vorfahrt ... - und trotzdem habe ich schon ein paar meiner Lieblinge getötet: Hier klebte einer am Deckel, da fiel ein Baby ungehört auf den Teppich ...

Liebe Grüße vom Hummeldrohn
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Halbwüchsiger Igel im Garten ... Uff!

Beitragvon Hummeldrohn am 04.08.2019, 22:10

Uff, endlich weiss ich, wie ich mit meinen verbliebenen zwei- bis dreihundert gefleckten Weinbergschnecken umgehen werde: Ruhigen Gewissens im Garten aussetzen - und auf den "Pubert-Igel" setzen. Der hat zwar immerhin 600-700 Gramm, aber wenn das dieses Jahr nicht wieder so trocken wäre, hätte er jetzt vielleicht sogar schon ein paar Kinder. Vor drei Wochen habe ich ihn schon einmal gesehen, abends in der Dämmerung - er floh, obwohl ich ihn nur flüsternd begrüßte und ihm etwas über den Garten erzählte. Igelianisch kann ich aber leider noch nicht.

Aber er ist noch immer da! - Heute ging ich erst mal nur so durch den Garten und vermied, ihm wieder unfreiwillig wieder so nah zu kommen wie vor drei Wochen. Ich setzte mich also weitab entfernt und lauschte den Grillen, den Fernsehprogrammen und dem Schmatzen des halbwüchsigen Igels. Schon komisch, wenn da mehrere Leute dasselbe Programm sehen, aber durch Distanz und verschiedene Übertragungswege Echo-Effekte entstehen.

Sorry, hier geht es ja eigentlich um Schnecken. Mein Hubert sollte eigentlich nur überwintert werden und bekam im Frühjahr nach und nach drei Kollegen, weil es meiner Meinung nach zu trocken zum Aussetzen war und ich außerdem eine stabile Population der gefleckten Weinbergschnecke im Garten wollte - möglichst neben den anderen Schnirkel-, Egel- und sonstigen heimischen Schnecken. Heute habe ich sogar noch eine kleine schwarze Gartennacktschnecke gefunden. Und zwei orange große klebten vorgestern am Boden unter dem Garagentor. Die winzigen Achatschneckchen konnte ich noch nicht näher bestimmen - genauso wenig wie die mit den flachen Gehäusen.

Jedenfalls entwickelten sich Hubert & Co. prächtig im Aquarium und nach den ersten drei Gelegen verdunkelte ich auf 11 bis 12 Stunden, weil die Lümmel ja angeblich 15 Stunden Licht zum poppen brauchen. Aber die poppten trotzdem noch: zweimal hab ich sie erwischt - und wer weiss wie oft ich es vor und nach der Verdunkelung gar nicht bemerkte ... Die ersten drei Würfe à 50 Schllüpflinge (?) wurden von mir noch separat gehalten, Danach spülte ich die Babies, die sich vorzugsweise am Deckel in der Nähe der Luftlöcher ankleben, vorsichtig ins Schneck-Eck unseres Gartens. Das Schneck-Eck besteht aus einem 80-Liter-Blumentopf mit einem Weihnachtsbaum und diversen Kräutern (Brennnesseln, Kletten, Melde, Löwenzahn) und Küchenabfällen und wird regelmäßig gewässert.

Wahrscheinlich ist die Population meiner gefleckten Weinbergschnecken im Garten aber eh stabil, denn ich konnte vorgestern beobachten, wie ein grauer wilder Hubert mit ausgestülptem Genital einen eher hellbräunlichen verfolgte ...

Aber wäre das nicht ein Konzept für Gemüse, Igel und häuslichen Schneckenspaß: Alle erwachsenen und halbwüchsigen Schnecken im Garten aussetzen, den letzten Wurf Babies überwintern und auf Igel, Frosch, Molch & Ameise vertrauen? - Einmal pro Woche kann ich dem Igel ja auch 'ne kleine Dose Katzenfutter hinstellen, damit er sicher über den Winter kommt. Und natürlich noch eine Igelburg bauen!!!

Liebe Grüße vom Hummeldrohn
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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon Bolt am 05.08.2019, 10:35

Dein Garten klingt toll :)
Und Igelhäuser plus zusätzlich Futter sind auch eine tolle Idee. Man liest leider immer häufiger dass Igel verhungern, habe auch erst vor kurzem meinen 5. Hilfebedürftigen Igel gefunden.
Und mit deiner Cornu Population hilfst du sicher mit dass die Igel was zum snacken haben :D
Viele Grüße, Lisa
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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon Hummeldrohn am 12.08.2019, 22:24

Hallo Bolt, danke für ein wenig Feedback in diesem verrückten Forum, wo angeditschte Schnecken mit Klebstoffen behandelt werden. Aber ich bin ja genauso: halte jetzt eine leicht eingedöllte Garten-Schnirkelschnecke separat. Muss wohl in der Garageneinfahrt aufgeschlagen sein ... jedenfalls klebte sie am Garagentor, als ich gerade einkaufen wollte. Den Fuß hatte sie schon vom Untergrund abgelöst, war aber noch nicht auf ein Viertel zusammengeschrumpelt wie das Liebespaar, über das ich vor etwa vier Wochen schrieb. Sie sieht allerdings schon aus, als könne sie noch zulegen, um ihr Tiny-Häuschen auch komplett auszufüllen.

Igel ... Ich habe Gehäusesplitter beim Knoblauch gefunden, wo sich der Pubert-Igel scheinbar gern von Plagegeistern befreit - jedenfalls verweilt er dort gern und kratzt sich ausgiebig. Ein Fragment hatte einen ziemlich großen Durchmesser mit nach außen gewölbtem Rand; muss also ein erwachsenes Schneckchen gewesen sein. Die Opfer aus der Drosselschmiede finden sich dagegen nur auf oder nah bei steinigem Untergrund und weisen ein bis zwei Löcher im Haus auf.

Igel zerlegen ihre Beute in -zig mehr oder weniger große Gehäusesplitter.

Ameisen lassen das Haus ganz, bevorzugen aber nur Schneckenbabies. Ich konnte einmal beobachten, wie so ein leeres Baby-Schneckenhaus beim Unkrautjäten vom Wind erfasst wurde und erst etwa einen halben Meter entfernt wieder landete. NOCH zerbrechlicher als Bienenköniginnen, die man ja immerhin zum markieren mit den Fingern greifen kann! - Gehäuseschnecken-Babies lasse ich meistens sitzen, wo sie kleben und sprühe sie nur abends etwas mit Wasser an, damit sie nicht eintrocknen oder verhungern. Wenn denn doch einmal eine bewegt werden muss, weil die Reinigung des Aquariums es erfordert oder es welche geschafft haben, durch die Lüftungslöcher abzuhauen, dann sprühe ich sie mit Wasser an, lasse es den kleinen Schleimring auflösen, mit dem sie sich angeklebt haben und sammle sie mit einem feuchten Pinsel ab. Adhäsionskräfte ... - Wenn sich mehrere an einer Stelle zusammengerottet haben, fege ich sie vorsichtig - nach 'ner Minute Wasser-Einwirkzeit - in die hohle (und möglichst auch mit Sprühstoß) angefeuchtete Hand, um sie dann ins neue Habitat (Lebensraum) zu werfen. Dabei ist Schnelligkeit angesagt, denn die Biester kleben gern auf sicherem Grund. Mit angefeuchteter Hand kann man sie dann aber meist relativ leicht nach einem weiteren Sprühstoß mit Wasser mit dem angefeuchteten Pinsel wieder von der Hand abfegen.

Oder man versucht, sie mit Salatblättern zu locken. Manchmal rennen sie geradezu auf ihr Lieblingsfresschen, manchmal kleben sie allerdings auch NOCH fester und mampfen ... mampfen ... (aufmerksame Zuhörer mit nahem Ohr an Schnecke hören es knartsen...) - Wenn sie zur Hälfte auf ihr Lieblingsblatt gelaufen sind, kann man den Rest ihres Fußes von der Unterlage ablösen, indem man dieses Lieblingsblatt behutsam abhebt und langsam in Richtung Fußende bewegt. Aber nur, wenn Schneckchen sicheren Halt verspürt. Sonst klammert es ... Und manches Schneckchen steht eher auf Radieschen-Blatt.

Bevor sie sich paaren, ist es wie ein Fühler-Balett: "Ist es für Dich ok, wenn ich Dich hier mal stubse?" - "Stubst Du mich zurück oder ziehst Du Dich ein?" - "Darf ich Dich noch an der Lippe stubsen?" - "Ok, ok, ich warte kurz. Aber zieh Dich bitte nicht ein. *Stubs* - Bist Du etwa eingeschlafen? - *Stubs*" - "Hör auf, ich hatte gestern nur Brennnesseln, etwas mehr Gefühl bitte - puh, was hast Du denn gestern gegessen???"

... Oder so ähnlich. Jedenfalls sind die größeren Schneckchen wohl ziemlich sensibel in der Kopfregion, was man zum Umsiedeln nutzen kann, wenn sie irgendwo am Rand kleben. Meistens sind alle Fühler eingestülpt, manchmal gucken die beiden großen etwas heraus und vielleicht kauen sie gerade ihren letzten Kot noch einmal durch. Ansprühen, mit dem ebenfalls mit Wasser angesprühten Finger die Kopf-Region vorsichtig anstubsen - manchmal wacht das Schnecklein auf, hebt den Kopf vom Untergrund ab und sucht mit allen vier ausgestülpten Augen (oder nur mit zweien), wer denn da angeklopft hat. Im besten Fall klebt Kopf an Finger, Fuß folgt nach - und der Lümmel kann überzeugt werden, dass es woanders auch ganz gemütlich sein kann.

LG vom Hummeldrohn
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300 kleine Huberts ausgesetzt - man begegnet sich im Garten

Beitragvon Hummeldrohn am 27.08.2019, 22:54

300 gefleckte Baby-Weinbergschnecken aus der Überwinterungszucht setzte ich aus. Darunter (oder darüber hinaus?) noch etwa 50-100 "halbwüchsige" bis erwachsene Tiere, die in diesem Jahr aus vier fruchtbaren Kollegen hervorgingen. Die ersten drei Eigelege zog ich getrennt von den Elterntieren auf, die Schlüpflinge aus drei weiteren Gelegen sammelte ich durch Einsprühen und Pinselschieben auf angefeuchteter Oberfläche in Sammelgefäße ab und setzte sie im Garten aus. Vorher betrieb ich Geburtenkontrolle nach der Temperatur- äh Sonnenlichtmethode: maximal 12 Stunden Sonnenlicht pro Tag und am Stück. Vielleicht nicht konsequent genug, denn die Paarungen gingen weiter. Den sechsten oder siebten geschlüpften Wurf sammelte ich dann wieder separat, nachdem die bis meist zu mitlerer Größe herangewachsenen Schneckchen ausgesetzt worden waren. Etwa haselnussgroß sind die Tierchen aus dem jüngsten Wurf.

Im Garten treffe ich vermehrt Jungschnecken von Erbsengröße an. Zwei und vier in den beiden Salatköpfen, die ich seit der großen Aussetzaktion erntete. Sie sitzen gern im Zentrum ihrer Wirtspflanze, glaube ich. Das Original, der Kompass-Lattich, wird dagegen verschmäht. Jedenfalls die beiden Exemplare, die ich im Garten nicht gejätet habe. Zwei Wildgelege - vermutlich Huberts, weil ich an anderen Schneckenarten bisher nur niedrige einstellige Individuenzahlen entdecken konnte, waren unter einer Multitopfplatte, die ich nach der Entdeckung der Gelege sorgfältig in die ursprüngliche Position setzte.

Viele Tierchen klebten bisher an Plastikoberflächen wie Eimern, Multitopfplatten, und DUNKLEN Blumentöpfen. Und es gab schon wieder eine Begattung, obwohl ich mittlerweile nur noch zwei erwachsene Schnecken/Huberts habe und versuche, sie noch dunkler zu halten. - Es wird Zeit, meine letzten großen sechs oder sieben einzuwintern. Irgendwo hatte ich dazu auch schon etwas gelesen ...

Bei der letzten Komplett-Säuberung des großen Aquariums entdeckte ich noch drei Gelege, als ich Tongranulat, Erde und Kot voneinander trennte. Ein Gemisch von vielleicht 90% der Eier vermischt mit etwa der doppelten Menge an Blähton separierte ich in die ausgediente erste Auffangstation vom Original-Hubert, der vom Mandarinen-Bäumchen gefallen war. Eine runde Lakritz-Dose. Ich sprühe sie täglich einmal etwas mit Wasser an. Manche der zunächst milchig aussehenden Eier werden klar und durchsichtig, manche platzen oder schrumpeln ein. Geschlüpft ist aus diesen "Spül-Eiern" seit 10 Tagen noch nix.

Und an welcher Pflanze entdeckte ich am zweithäufigsten Baby-Huberts? - am Kleinblütigen Knopf- oder Franzosenkraut (Galinsoga parviflora). Hat uns wohl Napoleon beschert und kommt ursprünglich aus Südamerika. Vitaminreich, etwas bitter - und hierzulande kaum beschrieben. Hält sich auch im Aquarium mit Wurzel herausgerupft oder abgerissen ganz gut. Die Top-Fünf meiner künstlichen Schneckennahrung: Gurkenscheiben, Salat á la Kompass-Lattich, Kleines Franzosenkraut, Löwenzahn/Kürbis- oder Gurkenblätter, Mangold, Brennnessel. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit möglicher Schneckennahrungsmittel, sondern stellt einen subjektiven Eindruck des Autors dar.

Über den Link zur Überwinterung würde ich mich freuen!

Liebe, gaaanz langsame Grüße vom Hummeldrohn
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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon Hummeldrohn am 07.11.2019, 23:35

Die Links zur Überwinterung habe ich dann ganz achtsam selbst gesucht und gefunden: Am schnellsten geht es wohl, die Schnecken in leere Kartoffelsäcke zu schaufeln. Tja, die gefleckte Weinbergschnecke ist ein Wirtschaftsgut. Und unabhängig davon wird sie auch von anderen Tieren gefressen. Und ja, ich habe es gewagt, im letzten August die Resultate einiger fett gemästeter Gelege im Garten auszusetzen, weil da ein kleiner Igel Hunger hatte. Interessant fand ich, dass der Igel nur etwa 10 bis 20 Scherben hinterlässt. Die von Drosseln gefressenen Schnecken hinterlassen dagegen ein noch erkennbares Haus mit ein bis (seltener) zwei oder mehr Löchern - Stichwort:Drosselschmiede.

Allmählich mache ich mir Sorgen um die anderen Schneckenarten im Garten. Noch vor vier Jahren, als ich den allerersten Hubert (gefleckte Weinbergschnecke) an einer Wand kleben sah und wegen des interessanten Musters glaubte, es handele sich um eine Mosaikschnecke, dominierten die Gartenschnirkelschnecken mit viel Abstand zu den Nacktschnecken. Es gab immer weniger rote, dafür immer mehr dunkelbraune Spanierinnen, aber auch noch kleine und große Egelschnecken. Auch die kleine schwarze Gartenschnecke war noch zahlreich vertreten. Und beim Umdrehen von Brettern sah ich oft sehr flache, maximal vielleicht 5 mm messende Gehäuseschnecken. Dann gab es auch noch schwarze Gehäuseschnecken, die wohl zu den Achatschnecken gehören. Maximal so lang wie die letzteren im Durchmesser aufwiesen.

Der Mandarinen-Hubert (s.o.) wurde erfolgreich überwintert und im Frühjahr mit drei Partnern besetzt, die ich nach und nach im Garten fand. Dazu kam noch einer, der während der Paarung fast eingetrocknet war (sein Liebster hatte leider nicht überlebt). Es ergaben sich etwa 20 Gelege. Die ersten fünf vielleicht fütterte ich bis auf Haselnussgröße auf und setzte die drei dicksten zu den anderen erwachsenen Huberts. Dann setzte ich die Jungschnecken der nächsten fünf Gelege direkt im Garten aus. Dann der Igel - und nur noch maximal 12 Stunden Licht als Verhütungsmethode. Brachte aber nix, die acht adulten Schnecken poppten munter weiter. Die Schlüpflinge kamen in den Garten. Bei neun Stunden Licht gaben die Biester ihr Paarungsverhalten auf, aber einige waren so fett, dass sie nicht in ihr Haus passten.

Ich reduzierte Feuchtigkeit und Nahrung. Die Schlüpflinge zweier Gelege wurden noch im Garten ausgesetzt und die Resultate der letzten vier Gelege zog ich dann wieder auf; mittlerweile war es herbstlich geworden. Und Schlüpflinge trocknen in wenigen Tagen aus oder werden direkt gefressen. Ich legte eine Überwinterungsbox für die größten Schnecken an - mit Erde und einigen schwarzen Blumentöpfen. In der Mitte eine flache Schale, die regelmäßig mit Wasser befüllt wird. Keine Ahnung, wieviele da jetzt schlummern - vielleicht 30 bis 40? Jedenfalls mache ich mir keine Sorgen mehr, dass die Population NICHT im Garten überleben könnte, sondern eher um das Aussterben der anderen Schnecken. Ich sah dieses Jahr erst eine einzige große Egelschnecke.

Und die Schnecken der letzten Gelege quartiere ich ich zum Überwintern um, sobald sie Haselnussgröße erreicht haben. Vor allem gewöhne ich mir ab, bei jedem Knistern nachzusehen, ob ich vielleicht gerade wieder eine Schnecke umgebracht habe: Es sind einfach derart viele ... Keine Eimer, unter dessen Rändern keine klebt, kein Salatkopf seit dem Sommer ohne ein bis vier Kleinschnecken drin. Schnecken im Laub, in leeren Blumentöpfen, sogar an Fensterscheiben vier Meter über Gartenniveau!
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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon susann am 08.11.2019, 07:52

Hei

Cornu asperum gehört für mich zu den invasive Arten.Meiner Meinung nach sollte man zu ihrer Vermehrung nicht beitragen.
Igel fressen sehr wenig Schnecken,sie infizieren sich dabei mit dem Lungenwurm.Wenn man den Igeln helfen möchte ist es besser für viele Käfer,Insekten und Würmer zu sorgen.

Liebe Grüße
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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon die_clauz am 08.11.2019, 14:05

Hallo zusammen,

ich habe keine Ahnung, wie ich diesen Thread so lange übersehen konnte, aber mich schüttelts grad... Hunderte Schnecken auszusetzen, auch noch regelmäßig, und das in dem Glauben, den Wildtieren was gutes zu tun? Ohje... Schon klar, dass es nicht nur Schneckenfresser gibt und im Gegensatz dazu ja die Schnecken auch gut was wegfuttern? Ich wundere mich immer wieder, wie einseitig man Situationen sehen kann, die so komplex sind wie unsere Natur.
Wer weiß, wie viele Schnecken der selben Art bisher in deinem Garten heimisch waren, vielleicht hast du die Population ja auf einen Schlag verdoppelt?
Wie sie sich in deinem Garten jetzt halten oder vermehren, bleibt abzuwarten. In jedem Fall hast du aber unnötig in ein ohnehin fragiles Gleichgewicht eingegriffen und es einem Risiko ausgesetzt.
Bleibt zu hoffen, dass der Nachwuchs der noch kommen mag nicht im Garten und auch sonst nicht in der "Außenwelt" landet.

Viele liebe Grüße, Claudia
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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon Skilltronic am 08.11.2019, 15:59

susann hat geschrieben:Cornu asperum gehört für mich zu den invasive Arten


Cornu aspersum ist in Deutschland definitiv besonders geschützt und wurde auf den britischen Inseln vermutlich schon zur Zeit der Kelten eingeführt.
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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon susann am 08.11.2019, 16:48

Hei,

Das ist mir durchaus bewußt.,daher auch " für mich" und " meiner Meinung nach".

Über die erste Schnecke dieser Art im Frühjahr habe ich mich auch sehr gefreut.Jetzt im Herbst habe ich sehr viele Jungtiere.Auch auf meinen Spaziergängen begegnen mir die Tiere jetzt immer wieder.
In einigen Ländern ist diese Art ein Schädling.Hier ist nicht ihr Lebensraum,ihre Verbreitung sollte nicht vorangetrieben werden.

Liebe Grüße
Susanne
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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon Herma am 08.11.2019, 23:33

Hallo Hummeldrohn,

hab grad deinen Thread gelesen. Dein vergiftetes Holzstückchen aus dem Baumarkt wurde wohl nicht mit purem Leinöl behandelt, sondern mit dem Holzbehandlungsmittel Leinölfirnis, das Schwermetalle und anderes Dreckszeug wie Terpentin enthält. Zur Zusammensetzung gibt's keine genauen Vorschriften. Also Vorsicht mit Sachen aus dem Baumarkt! Gut, dass dein Schneck überlebt hat.

LG

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Re: Verirrte Schnecke im Blumentopf

Beitragvon Hummeldrohn am 09.12.2019, 00:38

Hallo Herma, danke für die Infos; ich halte meine Huberts jetzt nur noch unter Glas oder in Kunststoffbehältnissen, die entweder aus dem Zoohandel stammen oder für den menschlichen Verzehr vorgesehene Nahrungsmittel enthielten.

Hallo susann (MODERATOR), die_clauz (Claudia) und Skilltronic (MODERATOR), wer diesen Thread von Anfang an verfolgte weiss, dass ich ursprünglich nur eine einzige Schnecke retten wollte, die sich auf einmal im Wohnzimmer im Blumentopf einer Mandarinenpflanze befand. Geschützt oder invasiv? - Ihr Moderatoren solltet das wirklich einmal ausdiskutieren!

Welche Arten mögen gelitten haben? - Da hatte ich doch mal eine Bestandsaufnahme gemacht - kam aber leider nix! Aber ich bin noch immer neugierig, welche Arten, die ich hier irgendwo auch schon beschrieben habe, im Garten leben. Besonders die platten, diskusförmigen und die kleinen schwarzen, die wohl zu den Achatschnecken gehören dürften, interessieren mich sehr! - Viele andere hatte ich wohl schon mit ihren Trivialnamen hinreichend selbst bestimmt.

Welche Arten freuen sich über hunderte von Schnecken in diesem Garten? - Amsel, Igel und nicht nur A-, sondern auch die anderen Meisen mit Federn, denn nur den letzteren traue ich es zu, eine "eingeigelte" kleine Schnecke von der Fensterscheibe zu picken, ohne sich den Schädel einzuschlagen! Übrigens weisen die Opfer der Drosselschmiede nur ein bis zwei Löcher im Gehäuse auf, während Opfer der Igel völlig geschredderte Schneckenhäuser hinterlassen, die aus etwa zehn oder mehr Bruchstücken bestehen.

Zum Lungenwurm: macht es einen Unterschied für den Igel, ob er sich Crenosoma striatum von einem meiner Huberts oder einer anderen Schnecke holt? Oder ist die Wahrscheinlichkeit bei einer aufgezogenen Schnecke vielleicht sogar geringer, mit diesem Fadenwurm infiziert zu werden?

Zu Käfern und Insekten: jeweils sechs Beine, Kopf-, Brust- und Hinterteil, zwei Paar Flügel (oder -Stümmelchen) ... das seltenste 2019 im Garten von mir beobachtete Insekt waren einige Aurorafalter, deren Larven sich wohl von Wiesenschaumkraut ernährt hatten. Es gibt seit Jahren Wildbienen nebst -Hotels und sogar Hummelnistkästen, die bisher besonders von Erd-, Acker-, Wiesen- und den etwas aggressiveren Baumhummeln angenommen wurden. Wir haben diverse Zikaden und andere Schnabelkerfe, Grillen, Heuschrecken, Lauf- und Schnellkäfer, mindestens drei Ameisenarten und, und, und - interessierte Zoologen und Botaniker sind herzlich eingeladen, sich - nach Terminabsprache - ein genaueres Bild zu machen! (Ich schrieb bewußt "Zoologen" und nicht "Entomologen", weil es auch mindestens drei Amphibienarten, wie Bergmolch, Grasfrosch und Erdkröte hier gibt - neben Säugetieren wie Feld- und Rötelwühlmaus, einigen Eichhörnchen und so weiter. Die Vögel hatte ich auch noch nicht: Hauben-, Schwanz-, Blau- und Kohlmeisen, Bunt- und Grünspecht, Kleiber, Buch- und Grünfink, Dompfaff, Sperling, Türken- und Felsentaube, Eichelhäher, Saatkrähe, Elster und ein paar mehr, die mir gerade nicht einfallen, weil ich seit über einer Stunde diesen Beitrag schreibe und immer wieder auf die Beiträge vom 8.11. klicke.

Fortsetzung folgt nicht mehr heute!

LG Hummeldrohn
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