Die Schneckenschale (Aufbau, Funktion und Formen)

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Die Schneckenschale (Aufbau, Funktion und Formen)

Beitragvon Katrin-die-Räuberbraut am 18.12.2005 pm 12:43

Hallo,

dieser Thread ist insbesondere für fischifischi, aber auch für alle anderen, die sich für die Schale der Schnecken, deren Funktion und Aufbau und alles was dazu gehört, interessieren.
Es ist ein Kapitel aus dem Buch über Schnecken das ich gerade schreibe. Ich hoffe es gefällt euch... :)
Allerdings handelt es sich nur um ein erstes Manuskript... trotzdem... TOP SECRET! ;)


DIE SCHNECKENSCHALE - Aufbau, Funktion und Formen

Wer kennt es nicht? Das altbekannte Schneckenhaus, dessen typische Windungen so häufig Gegenständen in unserem Leben seine Namen veliehen hat. Ob Mohn- oder Nusschnecke, oder auch Ohrschnecke, überall taucht die klassiche Form der Schneckenschale auf. Tatsächlich stellt die Windung des Schneckenhauses eine absolute Besonderheit unter den Schalenformen der Weichtiere dar. bei allen Vertretern der Mollusken treten in mehr oder weniger starker Ausprägung schalenartige Gebilde auf, doch ist vor allem der innere Aufbau der Schneckenschalen einzigartig. Rein äußerlich könnte man beispielsweise Ähnlichkeit im Aufbau der Schale einer Schnecke und der des urtümlichen Kopffüssers Nautilus vermuten. Schneidet man jedoch diese der Läng e nach auf, so offenbart sich ein typisches und optisch attracktives Kammersystem. Gleichzeitig ist erkennbaer, dass die Schale eines Nautilus, wie die Schalen der meisten anderen Weichtiere symmetrisch in einer Ebene gewunden ist. Im Gegensatz dazu liegt beim Schneckengehäuse eine Assymmetrie vor, die dadurch erzeugt wird, dass sie spiralig um die Längsachse gewunden ist. Dadurch entsteht ein "höchster Punkt", der auch Apex genannt wird. Nicht alle Schneckenschalen weisen diese gewundene Form so eindeutig auf, wie beispielsweise unsere einheimischen Schneckenarten. Besonders bei Spitzschlammschnecken sind Windungen und Apex äußerlich sicher gut zu erkennen. Im Gegensatz dazu sind auch oft Schneckenarten zu finden, die anhand der Schalen leicht für Muscheln gehalten werden könnten, da die Schale ungewöhnlich flach und windungslos, geradezu "schneckenuntypisch" erscheint. Als sochle sind beispielsweise Vertreter der Familie der Napfschnecken zu nennen. Allerdings sind Muscheln zweischalig, während schnecken in der Regel eine einteilige Schale besitzen. Die einzige Ausnahme stellt dabei die erst kürzlich im Pazifik, nahe der Küste, entdeckte "Muschelschnecke", die wie auch die Muscheln ein Schalenpaar besitzt.
Nicht nur die typische Schalenform, sondern auch die gesamte Schale an sich kann bei Schnecken vollkommen unterschiedliche Ausprägungen annehmen.
Die herkömmlich als "Gehäuseschnecken" benannten Arten besitzen eine große, gut ausgeprägte Schale in die sich das gesamte Schneckentier zum Schutz vor Feinden und Trockenheit zurückziehen kann. Anders verhält es sich bei den so genannten "Halbnacktschnecken", die nur noch einen Schalenrest am hinteren Fußende besitzen. Diese Schalen sind meist recht klein und sehr dünn, fast glasartig und die Schnecke kann ihren Körper nicht mehr in diesen Schalenrest zurückziehen. Eine komplette Rückbildung liegt bei den ebenfalls bekannten Nacktschnecken vor. Weit weniger bekannt ist die Tatsache, dass auch viele Nacktschnecken einen rudimentären inneren Schalenrest besitzen. Dieser kann zwar sehr klein, aber auch recht groß sein. In den wenigsten Fällen fehlt er jedoch komplett, wi es zum Beispiel bei unseren Wegschnecken der Fall ist.

Ursprünglich erfüllt die Schneckenschale mehrere Funktionen. Einersteits stellt sie einen effektiven Schutz gegen mögliche Fressvfeinde dar. Darüber hinaus schützt sie vor allem Landschnecken vor Trockenheit und reguliert die Körpertemperatur des Tieres. Dazu schützt die Schale einige innere Organe die in dem so genannten Eingeweidesack ausgelagert wurden und stellt den Ansatzpunkt zweier Muskeln dar.

Das Schneckenhaus besteht zu einem Großteil aus Kalkverbindungen, genauer gesagt aus Calciumcarbonat. Ein weiterer Baustein der für die Schneckenschale unentbehrlich ist, ist auch das so genannte Conchin, eine organische Verbindung aus Proteiden, die dem Horn sehr ähnelt. Zu welchen Teilen beide Aufbaumaterialien vorkommen, hängt von der jeweiligen Gehäuseschicht ab.
Insgesamt ist das Schneckengehäuse in drei wesentliche Schichten verschiedenen Aufbaus und verschiedener Funktion unterteilt. Die für uns sichtbare, äußerste Schicht, wird Periostrakum genannt und besteht fast ausschließlich aus Conchin. Das Periostrakum beinhaltet Farbpigmente, die für die Erscheinungsform des Schneckenhauses zuständig sind und kann daher auch Stacheln, Hörnchen, Ausbuchtungen oder sogar Härchen ausbilden.
Die nächstinnere Schicht, das Ostrakum ist aus Kalkkristallen aufgebaut, was ihm auch den bilhaften Namen "Prismenschicht" eingebracht hat. Zwischen diesen Kalkkristallen ist das bereits erwähnte Conchin eingelagert. Dieses Aufbauschema wiederholt sich in mehreren Schichten die quer zueinander verlaufen. Durch diesen speziellen Aufbau erlangt das Ostrakum erstaunliche Härte und Festigkeit. Zudem stellt es auch noch die dickste Schalenschicht des Schneckengehäuses dar.
Letztlich stellt das so genannte Hypostrakum die innerste Gehäuseschicht dar. Einzig diese Schicht hat direkten Kontakt zum Weichkörper des Schneckentiers. Wie auch bei Muscheln gibet es manche Schneckenarten, welche die Fähigkeit besitzen sich mit Hilfe dieser innersten Schicht vor Fremdkörpern oder Parasiten zu schützen. Hierzu produzieren sie irisiertes Aragonit, das Perlmutt, mit dem der Fremdkörper umschlossen wird, so dass die begehrten Perlen entstehen. Daher wird bei manchen Meeresschneckenarten, die über dieses Phänomen verfügen, das Hypostrakum auch als "Perlmuttschicht" bezeichnet.

Die Schnecken bauen ihre Schalen mit Hilfe bestimmter Drüsen am Mantelrand, durch die Schnecken Kalk in Form der so genannten Schalensubstanz ausscheiden. Alle Schnecken, die ein und derselben Art angehören, gestalten ihre Gehäuse in der gleichen Farbe und Form, wobei das Muster fest in den Erbanlagen der jeweiligen Art festgelegt ist. Die einzige Ausnahme hierbei stellt die Torsion dar, also die Windungsrichtung, in die das Gehäuse der Schnekce um die Achse gedreht ist. Die grundlegende Form dieser Torsion entsteht bereits in der Embryonalentwickliung. Dabei drehen sich sowohl Mantel als auch Eingeweidesack um 180°. Bei den meisten Schneckenarten findet diese Drehung in der rechten Richtung statt. Vor allem bei Meeresschnecken ist derartige Torsion der Fall. Durch diese Form der Drehung kommt die ursprünglich hinten liegende Mantelhöhle samt Atmungsorganen vor dem Herzen zu liegen. Aus diesem Grund werden die Schnecken, bei denen diese Anordnung vorliegt "Vorderkiemer" oder Prosobranachia genannt. Die Hinterkiemer (Opisthobranchia) stellen sozusagen das Gegenstück zu den Vorderkiemern dar, das heißt die Mantelhöhe befindet sich rechtsseitig hinter dem Herz. Diese Anordnung kommt durch eine gegenläufige Detorsion zustande, welche die eigentliche Torsion sozusagen neutralisiert. Darüber hinaus hat die Torsion starke Auswirkungen auf die Lage der Nervenbahnen, was zu einer weiteren Unterteilung in einzelne Gruppen geführt hat. Ursprünglich liegen die Nervenbahn en parallel zueinander vor. Diese Anordnung ist allerdings nur noch bei sehr alten Schneckengruppen zu fidnen, die sich im Laufe der Jahrmillionen nur wenig under gar nicht verändert haben. Bei den "moderneren" Schnecken, bei denen eine Torsion vorliegt, werden diese Nervenstränge überkreuzt. Demnach werden Vorderkiemer auch als Chiastoneurie also "Gekreuztnervige" bezeichnet. Im Gegensatz dazu tragen Hinterkiemer und Lungenschnecken den Namen Euthyneura also "Geradnervige". Letztere haben, wie auch Lungenschnecken die im Süßwasser leben eine Art Sonderstatus, da ihre Kimen zugunsten der Lunge vollständig zurückgebildet wurden.
Sehr selten kommt es vor dass ein Individdum einer Art bei der normalerweise rechtsgewundene Schneckenhäuser vorliegen mit einer mutationsbedingten linken Windungsrichtung geboren werden. Im Volksmund werden solche "verkehrten" Schnecken oft als "Schneckenkönige" bezeichnet.

Grundsätzlich bauen Schnecken ihre Schalen in drei zeitlichen Abschnitten auf. Zunächst einmal liegt die so genannte Embryonalschicht vor. Bei frisch geschlüpften Schneckenbabies stellt dieser winzige Schalenteil das komplette Gehäuse dar, wober auch der Name rührt. Dieser Teil besteht nur aus 2 bis 3 winzigen Windungen, die später - kaum mehr erkenntlich - die Spitze des eigentlichen Schneckenhauses darstellen.
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Katrin-die-Räuberbraut
 
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Beitragvon Katrin-die-Räuberbraut am 18.12.2005 pm 13:13

Meist ist dieser Schalenteil wesentlich glatter als der Rest des Gehäuses und oft sogar farblich abgesetzt. Schneckenbabies sind im Vergleich zu ausgewachsenen Tieren oft unvorstellbar klein. Dementsprechend muss die heranwachsende Schnecke in einer zweiten Bauphase während des gesamten Wachstums weiter an ihrem Häuschen bauen. Hierzu reiht sie eine Windung an die andere und lässt damit das Gehäuse analog zum Körper wchsen. Erst wenn die schnekce vollständig ausgewachsen ist, versieht sie ihre Schale mit einem letzten wesentlichen Schliff. Besser gesagt findet eine regelrecht Umgestaltung statt, denn der Mündungsrand wird erheblich verdickt und es bilden sich Auswüchse auf der Mantelschale. OFt legt sich auch ein Mantellappen nach außen um das Gehäuse und überzieht es teilweise oder gar ganz mit einer Kalkschicht.
An derartigen Merkmalen ist vom Optischen her äußerst leicht zu erkennen, ob eine Schnecke bereits ausgewachsen ist. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass der Schneckenhausbau ein für allemal abgeschlossen ist. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Die Schnecke baut ihr ganzes Leben an ihrer Schale, auch wenn sie keine weiteren Windungen mehr anbaut. Stattdessen ist ständig Ausbesserungsbedarf. schnecken besitzen die erstaunliche Fähigkeit grundsätzlich Gehäuseschäden reparieren zu können. Entgegen weitläufiger Meinung, sind keineswegs alle größeren Gehäuseschäden letal. Vor allem im Bereich der Gehäusemündung können sie meist vollständig rekonstruiert werden. Oft sind diese Schäden im Nachhinein gar nicht mehr zu erkennen. Anders verhält es sich bei Gehäuseschäden, die weiter innen liegen. Zwar kann die Schnecke auch inniger liegende Schäden reparieren, doch werden hierbei meist nicht alle Schichten rekonstrueirt, so dass sich die neuen Gehäuseteile oft farblich und strukturell von der ursprünglichen Schale unterscheiden und eine regelrechte Narbe entsteht.
Letal ist ein Gehäuseschaden immer dann, wenn er so erheblich ist, dass das Weichtier austrocknen muss, der Eingeweidesack verletzt ikst, oder gar ein Fressfeind das Schneckentier aus der schützenden Schale ziehen kann. Dementsprechend ist es eine logische Schlussfolgerung, dass eine Gehäuseschnecke nicht ohne ihre Schale überleben kann, denn ihr Körperbau und ihre Anpassung an die Umwelt ist in keinster Weise mit der von Nacktschnecken zu vergleichen. Es kommt auch nur sehr selten vor, ass eine Schnecke ihr Haus verliert und daran sterben muss, denn obgleich nur zwei Muskeln den Weichkörper der Schnecke mit der Schale verbinden, halten beide Körperteile sehr gut zusammen. Das liegt nicht zuletzt an den Ansatzpunkten und Ausfühurngen dieser Muskeln. Ein Muskel befestigt den Mantelrand an der Schale, ein anderer Muskel, der Haupt-Retraktionsmuskel oder auch Columellarmuskel erfüllt die Aufgabe eines Spindelmuskels, dessen Ansatzpunkt sich beim Apex befindet.
Rein äußerlich gesehen stellt der Apex den höchsten Punkt des Schneckengehäuses dar. Die sichtbaren Ringe, die in ihrer Gesamtheit die Windungen bilden, werden als Umgänge bezeichnet, während die Nahtstellen an denen sie miteinander verwachsen sind, Naht genannt werden. Das kleine Loch am Rande der Mündung, das durch die Torsion entsteht wird als Nabel oder Umbicullus bezeichnet. Die Gehäuseöffnung heißt fachlich Mündung. Dementsprechend liegen Mündungsrand und Mündungslippe vor.

Form und Farbe der Schneckenhäuser kann sehr verschieden sein. Währnd die Schalen unserer einheimischen Schnecken allgemein als eher schlicht angesehen werden, gibt es vor allem in den Meeren der Welt Schneckenarten, deren Gehäuse von atemberaubender Farbigkeit und bizarrer Form sind.
Das Sammeln von Muschel- und Schneckenschalen ist nicht grundlos ein beliebtes Hobby, das bei keinem Nord- oder Ostseeurlaub fehlen darf. Dieses Interesse an den Schmuckstücken der Meere geht noch auf die großen Entdeckungsreisen im Zeitraum der Renaissance zurück. Damals brachte man erstmals Schalen von Schnecken aus den tropischen Meeren aufgrund ihrer Attraktivität nach Europa. Selbstverständlich konnte sich nur die höhere Gesellschaft derartigen Luxus leisten. In so genannten Naturalienkabinetten wurden sie in Fürstenhöfe und in reichen Bürgerhäusern gesammelt. Noch heute können wir derartige Sammlungen bestaunen, denn die Naturalienkabinette wurden nicht etwa aufgelöst sondern in Form von naturhistorischen Sammlungen in Museen ausgestellt. Im Gegensatz zur Weichtierkunde, der Malakologie, bezeichnet man die Schalenkunde als conchologie.
Hauptsächlich sind es heutzutage private Sammler, die ihre eigenen Schalensammlungen erstellen. Neben den Hobbysammlern, die Schneckenschalen als Souvenirs aus dem Urlaub mitbringen, gibt es selbstverständlich auch Kenner, deren Hobby fast professionelle Maße annimmt. In solchen Kreisen können Schalen, je nach Marktwert, sehr hohe Preise erzielen.
Was der Mensch als optisch attracktiv oder interessant ansieht, hat selbstverständlich eine Funktion für das Schneckentier, die unter Umständen das Leben der Schnecke sichert.
Manche Meeresschnecken tragen beispielsweise eine sehr dicke und schwere Schale: dies ist möglich da aufgrund des Auftriebes durch die Wasserverdrängung das doch erhebliche Gewicht des Schneckenhauses der Schnecke nicht vollständig aufgelastet wird. Als Beispiele für dearite Schnckenarten sind vor allem Helm- und Fechterschnecken zu nennen. Der Ritterhelm (Syrinx proboscidiferus) ist beispielsweise die größte Meeresschnecke und erreicht eine Länge von bis zu 60 cm. Die Schale des Ritterhelmes , der in den Küstengewässern Australiens zu finden ist, wird aufgrund ihrer Größe noch heute von den australischen Ureinwohnern zum Tragen von Wasser verwendet. Für die Schnekcne haben derart schwere und große Schalen vor allem den Vorteil, dass sie das Schneckentier sehr effektiv vor Fressfeinden schützen können. Eine solch harte und dicke Schale kann nur schwer und ausschließlich von darauf spezialisierten Räubern geknackt werden. Auf diese Art und Weise können besonders große Schnecken selbst in freier Wildbahn bis zu 20 Jahre alt werden.

Im Gegensatz dazu haben auch gerade viele Meeresschnecken die Schale zu Gunsten der Gewichtsreduktion zurückgebhildet . Dies ist hauptsächlich für neu entwickelte Arten der Fortbewegung von Vorteil Manche schnecken können durch diese Entwickliung durchs Wasser schweben oder sogar richtig schwimmen. Mehr dazu im Kapitel über die fortbewegung von Schnecken.

Manche Schnecken tragen zusätzlich zur Schale einen Deckel, das so genannte Operculum, am hinteren Ende des Fußes. Vor allem Wasserschnecken tragen ein solches Operculum, während es nur selbten bei Landschnecken vorkommt, die in der Regel stattdessen zeitweise Kalk- oder Schleimdeckel ausbilden, die sie nachdem sie nicht mehr gebraucht werden wieder abstossen oder durchstossen.
Ein Paradebeispiel heirfür ist unsere einheimische Weinbergschnecke (Hellix pomatia). Wenn sie Ende Oktober ihre Winterreuhe antritt, vergrähbt sich die Schnecke im Erdreich oder Laub und verschließt ihre Gehäuseöffnung mit einem 2 - 3 mm dicken Kalkdeckel. Wenn die Schnecke im Frühjahr wieder aktiv wird, stößt sie mit dem Fuß den Kalkdeckel ab. Solche deckel sind relativ stabil und im Frühjahr oder während des Sommers oft im Dickicht zu finden.
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Beitragvon Katrin-die-Räuberbraut am 18.12.2005 pm 13:26

Das Operculum ist von ganz anderer Art. Im Gegensatz zum Kalkdeckel der Weinbergschnecke ist das Operculum fest mit dem Fußende der Schnecke verwachsen und kann nicht abgestossen werden. Das Operculum besteht im Gegensatz zur Schneckenschale nicht aus Kalk, sondern aus einem hornartigen Material. Vor allem im Wasser lebende Lungenschnecken die unter Umständen ihren normalen Lebensraum, zum Beispiel zur Eiablage verlassen und das Land aufsuchen, bzw. die aufgrund von Trockenzeiten zu einer Ruhephase an Land gezwungen werden, benötigen oft den Deckel um sich vor dem Austrocknen zu schüzten. Auf der anderen Seite stellt das Operculum selbstverständlich auch einen Schutz vor Fressfeinden dar und schützt vod em Eindringen von Fremdkörpern. Für diese Funktionen stimmt die Form des Deckels genau mit der Form der Gehäuseöffnung überein. Wenn sich das Schneckentier also in die Schale zurückzieht, macht es sprichwörtlich "die Türe hinter sich zu" und die Schalenmüdndung wird vom Operculum dicht verschlossen.

In seltenen Fällen erfüllt das Operculum noch weitere Funktionen und ist dementsprechend umgestaltet. Eine Besonderheit hierbei stellt die Flügelschnecke (Strombus gigas) dar, deren Dekcel zu einem säbelförmigen Dorn umgestaltet ist. Da die Schnecke dieses eigentümliche Operculum als Verteidigung gegen Fressfeinde einsetzt, indem sie mit dem Fußende umherschlägt und den Deckel als Waffe einsetzt, wird die Flügelschnecke auch "Fechterschnecke" genannt.
Darüber hinaus dient der Dorn der Fortbewegung. Die Schnecke rammt ihn hierzu in den sandigen Meeresgrund und bewegt sich damit in regelrechten "Sprüngen" voran.

In jedem Fall stellt ein Schneckengehäuse - ob nun mit oder ohne deckel - eine faszinierende Konstruktion dar, die für das Weichtier Schnecke nicht nur ein hartes Außenskelett, sondern vor allem Schutz und Rückzugsort darstellt.
Die ursprüngliche Form der Schale hat sich im Laufe der Zeit durch Torsion , Umformung oder gar Rückbildung vielfach verändert, doch hast sie sich bis heute für das Tier Schnecke vielfach bewährt und in unserer Forstellung ist das sprichwörtliche Schneckenhaus von der Schnecke kaum wegzudenken.
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